Die Spitzenkandidaten der Linkspartei, Janine Wissler und Dietmar Bartsch, halten das Wahlprogramm in die Kameras. | EPA
Analyse

Linkspartei vor Bundestagswahl Es flimmert in der Herzkammer

Stand: 01.08.2021 06:43 Uhr

Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Bartsch, will nach der Bundestagswahl mitregieren. Dabei sind die Umfragewerte seiner Partei momentan sehr bescheiden. Die Linkspartei muss sich auf alte Werte besinnen.

Von Kristin Marie Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Dietmar Bartsch hat eine Reise gebucht. Eine einfache Hinfahrt ohne Rückfahrticket. Das Ziel: die Regierungsbank im Deutschen Bundestag. Der Spitzenkandidat der Linkspartei weiß, es geht um alles. Die Partei kämpft ums politische Überleben. Da wird die Messlatte extra hochgelegt.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

"Wir wollen regieren" - die Botschaft an den Wähler: Die Linke wird gebraucht. In den Umfragen liegen die Genossen bundesweit bei sechs oder sieben Prozent, weit entfernt vom selbstgesteckten Ziel, zweistellig zu werden.

Wahl in Sachsen-Anhalt war ein Nackenschlag

Es flimmert vor allem in der Herzkammer. Der Osten droht der Linkspartei Stück für Stück wegzubrechen. Die Wahl in Sachsen-Anhalt war ein Nackenschlag. Gerade da, wo man mit guten zweistelligen Ergebnissen CDU und SPD jahrelang auch in der Opposition manches Mal vor sich her treiben konnte. Kein guter Vorlauf für die Bundestagswahl.

Jahrzehntelang haben sie in Ostdeutschland den Protest aufgefangen, den Unmut bedient und am Ende vielleicht zu lange gepflegt. Da sind plötzlich andere gekommen, die noch mehr versprochen haben. Die AfD macht vor allem im Osten der Linkspartei das Leben schwer.

Es fehlen die Verantwortungsträger in den Kommunen, linke Landräte etwa, die linke Politik auch umsetzen. Fünf Direktmandate hat die Linkspartei bei der Bundestagswahl 2017 errungen, alle in Ostdeutschland. Doch auch darum müssen sie dieses Mal bangen. Dietmar Bartsch will dafür kämpfen, dass die Linke im Bundestag bleibt.

Personaldebatten hat Bartsch erfolgreich umschifft

An Bartsch führt in der Fraktion und der Partei kein Weg vorbei. Seine Position ist klar, im Machtgefüge und in der politischen Ausrichtung. Ein Reformer, wie viele aus dem Osten. Zudem ist er ein Netzwerker, der den Eindruck vermittelt, dass er selbst der Spindoktor ist.

Zumindest ist Bartsch eines der profiliertesten Gesichter der Partei, der manche Personaldebatte erfolgreich umschifft hat. Die Querelen etwa mit der Ex-Co-Chefin in der Fraktion. Der Streit um Sahra Wagenknecht ist am Ende mit den inzwischen ehemaligen Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger nach Hause gegangen. Bartsch ist geblieben - ohne große politische Schrammen.

Bartsch muss über seinen Schatten springen

Zur richtigen Zeit auch mal Wegducken: Das beherrscht der Spitzenkandidat der Linkspartei auch. Doch dieses Mal muss Bartsch über seinen Schatten springen und laut auftreten, die Ärmel hochkrempeln und die Wähler überzeugen. Reden wie beim Parteitag im Juni mit durchgeschwitztem Hemd etwa. Da hat Bartsch gezeigt, wie es gehen kann und gehen muss - nah bei den Menschen und ihren Sorgen.

Die Linke wieder zu dem machen, was sie vor allem in Ostdeutschland immer war - der Anwalt der kleinen Leute.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. August 2021 um 15:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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Bernd Kevesligeti 01.08.2021 • 12:04 Uhr

Linkspartei vor der Bundestagswahl: Flimmern in der Herzka...

Es ist wichtig, daß es Opposition gibt. Damit nicht weiter ein Warren Buffet recht behält mit seinem berühmten Satz: "Meine Klasse ist die, die gewinnt". Um dem entgegenzustehen, ist eine Linke unverzichtbar, allerdings sind Wohnungsprivatisierer (GSW) wie einst in Berlin und Dresden in diesem Zusammenhang kontraproduktiv (Wolf, Lederer).