Auf Zugausfälle wird auf einer Anzeigetafel im Hauptbahnhof von Bielefeld hingewiesen. | dpa

Orkantief "Zeynep" Bahnverkehr im Norden eingestellt

Stand: 18.02.2022 17:28 Uhr

Orkantief "Zeynep" könnte Deutschland mit noch stärkeren Böen als "Ylenia" treffen. Die Deutsche Bahn hat in der Nordhälfte Deutschlands und in Teilen von NRW den gesamten Personenverkehr eingestellt.

Die Deutsche Bahn hat wegen des heraufziehenden Orkantiefs "Zeynep" ihren Fern- und Regionalverkehr in der Nordhälfte Deutschlands sowie in Teilen Nordrhein-Westfalens gestoppt. Betroffen sind laut Bahn Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Teile Nordrhein-Westfalens.

Starke Beeinträchtigungen im Fernverkehr

Im Fernverkehr verkehren zunächst bis Tagesende keine Züge mehr nördlich von Dortmund, Hannover und Berlin. Auch auf der Ost-West-Strecke zwischen Köln über Hannover nach Berlin ist der ICE- und IC-Verkehr den Angaben zufolge eingestellt. Auch auf der Strecke zwischen Berlin über Frankfurt am Main bis Amsterdam fahren den gesamten Freitag über keine ICE- oder IC-Züge mehr.

Kostenfreie Stornierung der Tickets möglich

Der Sprecher sprach von "gravierenden" Unwetterwarnungen. Der Stopp erfolge aus Sicherheitsgründen aufgrund der Erfahrungen mit früheren vergleichbaren Extremwetterlagen. Es sei besser, Züge in den Bahnhöfen zurückzuhalten als Nothalte auf freien Strecken zu riskieren. Dort könnten gestrandete Passagiere sehr viel schlechter betreut werden.

Die Bahn riet allen Kunden dazu, ihre Fahrten möglichst ganz zu verschieben. Sollte dies nicht möglich sein, sollten sich Passagiere unbedingt laufend über das aktuelle Unwetter- und Verkehrsgeschehen informieren, sagte der Sprecher. Die Fahrplanauskunft werde ständig aktualisiert.

Fahrgäste können ihre für den Zeitraum von Donnerstag bis Sonntag gebuchten Fahrkarten bis zum 27. Februar flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren, wenn sie Reisen wegen des Sturms verschieben.

Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h

Schwerpunkt des Orkans "Zeynep" ist bis Samstagfrüh die Nordhälfte und die Mitte Deutschlands, sagen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) voraus. Betroffen seien Teile der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen.

Der DWD gab aber auch für südlichere Regionen - Teile des Saarlands, von Rheinland-Pfalz, Hessen und für nördliche Regionen Bayerns - Unwetterwarnungen vor orkanartigen Böen heraus.

An der Nordseeküste werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde und eine Sturmflut erwartet. In Hamburg nach der Prognose des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) eine schwere Sturmflut mit Wasserständen von drei Metern über dem normalen Hochwasser in der Nacht zu Samstag. Am frühen Freitagmorgen wurde der Fischmarkt in Hamburg-Altona bereits überspült.

In der zweiten Nachthälfte trifft "Zeynep" auf die Ostseeküste und lässt dann allmählich nach. "Damit ist die Unwettergefahr erst einmal gebannt", sagte ein DWD-Meteorologe. Trotzdem bleibt es laut DWD aber mindestens bis zum Montag in Deutschland stürmisch.

Unterricht fällt aus oder Besuch wird freigestellt

Der Landkreis Goslar in Niedersachsen teilte mit, dass die Schüler und Schülerinnen am Freitag nicht überall befördert werden könnten. Deshalb wurde dort der Präsenzunterricht in allen allgemein- und berufsbildenden Schulen abgesagt.

Aus Hamburg hieß es, Sorgeberechtigte könnten selbstständig entscheiden, ob ihr Kind zu Hause bleibe. Im Regierungsbezirk Arnsberg in NRW war ab Mittag die Schule ausgefallen. In Bochum sollten Eltern ihre Kinder früher abholen.

Feuerwehr rät zu Vorsichtsmaßnahmen

Um Schäden und Unfälle zu vermeiden, sollten Bürgerinnen und Bürger entsprechende Vorbereitungen treffen, sagte Christopher Rehnert, Leiter der Feuerwehr Lüdenscheid, im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

"Alles, was auf der Terrasse ist, was nicht niet- und nagelfest ist, am besten reinholen, in die Garage stellen." Ausflüge in den Wald und Spaziergänge sollten vermieden werden, auch in den nächsten Tagen.

VW-Werk in Emden setzt Produktion aus

Im Emder Werk von Volkswagen fallen die Spät- und die Nachtschicht am Freitag aus. Am Samstag sollte zudem die Frühschicht mit der Arbeit etwas später beginnen. Eine VW-Sprecherin bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Emder Zeitung". Es gehe darum, die Beschäftigten vor dem Unwetter zu schützen, so die Sprecherin.

Seit Mittwochabend hatte Orkantief "Ylenia" zu Tausenden Einsätzen geführt. Mindestens drei Autofahrer in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt starben bei wetterbedingten Unfällen - zwei wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Ein dritter starb, als sein Anhänger im Sturm auf die Gegenfahrbahn geriet und es dabei zu einem Unfall kam.