Neonazi bei einer Demonstration in Dortmund. Er träg einen Hut in den Farben der Reichsflagge mit Abbildung einer "Schwarzen Sonne". (Archivbild: 2019) | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Antisemitismus-Forschung Millionen für das Wissen über den Hass

Stand: 04.08.2021 18:28 Uhr

Der Bund will 35 Millionen Euro in Projekte investieren, die zu Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus forschen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, solche Ideologien besser zu bekämpfen.

Der Bund will Forschungsprojekte, die sich mit Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus auseinandersetzen, in den kommenden Jahren stärker fördern.

Dafür sollen in den nächsten vier bis fünf Jahren 35 Millionen Euro investiert werden, kündigte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek an. Von dieser Summe seien zwölf Millionen Euro für Projekte vorgesehen, die sich mit Antisemitismus beschäftigen. 23 Millionen Euro gehen Karliczek zufolge an Forschungsvorhaben, die sich dem Rechtsextremismus und Rassismus widmen, um mehr Erkenntnisse über die Ursachen und Überschneidungen mit dem Antisemitismus zu gewinnen. Verantwortlich für die Projekte sind unter anderem Universitäten und Evangelische Akademien.

"Gift für den gesellschaftlichen Zusammenhalt"

Karliczek bezeichnete solches Gedankengut als "Gift für den gesellschaftlichen Zusammenhalt". Antisemitismus und Rassismus hätten in Deutschland keinen Platz, hielt die CDU-Politikerin fest. Doch sie betonte auch:

Wir können aber nur bekämpfen, was wir auch verstehen.

Erst verstehen, dann bekämpfen

Die geförderten Projekte sollten zum Verständnis dieser Denkweisen und Strömungen beitragen und "helfen, geeignete Maßnahmen zur Antisemitismusprävention und -bekämpfung in Bildung, Zivilgesellschaft und Politik zu entwickeln". Als Beispiele nannte die Ministerin etwa den Umgang mit Hassreden und fremdenfeindlichen Kommentaren im Internet oder das Wissen darüber, welche Rolle antisemitische Ansichten bereits in Schule spielen und wie sie sich dort verbreiten. Auch das Handeln der Justiz bei Straftaten mit extremistischen Hintergründen solle erforscht werden.

Tausende Straftaten mit wohl antisemitischem Motiv

Gerade Straftaten mit mutmaßlich antisemitischem Hintergrund nehmen laut Karliczek in Deutschland zu. Im vergangenen Jahr seien von der Polizei 2351 solcher Fälle registriert worden. Das zeige, dass Jüdinnen und Juden sich in der Bundesrepublik bedroht fühlen müssten - und das sei "mehr als beschämend".

Die Förderrichtlinie für die Unterstützung der Forschung über Antisemitismus hatte der Bund bereits im vergangenen Jahr festgelegt. Die Förderung der Projekte, die sich mit Rechtsextremismus und Rassismus beschäftigen, ist Teil des Maßnahmenkatalogs, den der Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus beschlossen hat. Der Ausschuss war im März 2020 nach rassistischen und rechtsextremen Anschlägen wie den Morden in Hanau eingesetzt worden.

Antisemitismus als "ideologischer Kitt"

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, stellte die Bedeutung solcher Forschungsvorhaben in den Vordergrund. Denn gerade seit dem Beginn der Corona-Pandemie hätten Verschwörungsideologien Hochkonjunktur. Mit Blick auf die "Querdenken"-Bewegung oder die Corona-Leugner betonte Klein, dass Antisemitismus und Rechtsextremismus wie "ideologischer Kitt" zwischen den einzelnen Gruppierungen gewirkt habe.

Auch der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, lobte die Förderung für die Forschung über antisemitisches und rassistisches Gedankengut. Im Gespräch mit der Düsseldorfer "Rheinischen Post" und dem Bonner "General-Anzeiger" bezog auch Schuster sich auf die Demonstrationen gegen die Corona-Politik und die dort auftretenden Strömungen. Dabei sei der Antisemitismus teils ein verbindendes Element, denn es sei verbreitet, sich einen gemeinsamen Feind zu suchen - und das seien in diesen Kreisen schnell die Juden.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 04. August 2021 um 17:09 Uhr.