Demonstration in Berlin gegen Antisemitismus | Bildquelle: REUTERS

Polizeistatistik Tausende antisemitische Straftaten

Stand: 15.08.2018 13:13 Uhr

Fast 12.000 antisemitische Straftaten wurden seit 2010 erfasst. In Berlin ist dié Zahl besonders hoch. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung warnt - und fordert einen verstärkten Kampf gegen Judenhass.

In Berlin werden bundesweit mit Abstand die meisten antisemitischen Straftaten in Relation zur Einwohnerzahl erfasst. Von 2010 bis 2018 lag die Zahl antisemitisch motivierter Straftaten in der Bundeshauptstadt bei 1649, darunter waren 55 Gewalttaten. Das waren 46,1 Delikte je 100.000 Einwohner.

Dies geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Linda Teuteberg hervor.

Experten betonen allerdings immer wieder, dass die Statistiken Schwächen haben. Polizei und Beratungsstellen kommen immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen, da die offiziellen Statistiken nur die registrierten Fälle beleuchten.

327 Gewalttaten erfasst

Bundesweit wurden seit 2010 laut der kriminalpolizeilichen Meldestatistik insgesamt 11.786 judenfeindliche Straftaten erfasst, davon 327 Gewalttaten. Das waren 14,6 Delikte je 100.000 Einwohner.

Seit 2010 lag die Zahl der judenfeindlichen Delikte in jedem Jahr über 1200. Die meisten Taten gab es im Jahr 2014 mit 1.596, 2017 waren es 1504. In diesem Jahr wurden den Angaben zufolge bis zum 31. Juli insgesamt 696 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund begangen.

In ostdeutschen Bundesländern lag die Zahl antisemitischer Straftaten in den Jahren 2010 bis 2018 deutlich über dem Bundesdurchschnitt. In Thüringen waren es im Durchschnitt 29,8 Delikte pro 100.000 Einwohner, in Brandenburg 28,7 und in Sachsen-Anhalt 23,8. In Nordrhein-Westfalen wurden seit 2010 insgesamt 2.272 Straftaten aus Judenhass begangen. Damit lag die Zahl der Delikte bezogen auf die Einwohnerzahl mit 12,7 unter dem Bundesdurchschnitt.

Am niedrigsten war die Zahl der Straftaten je 100.000 Einwohner in südlicheren Bundesländern: 9,4 in Bayern, 8,8 in Baden-Württemberg und 8,3 in Rheinland-Pfalz.

Demonstration in Berlin gegen Antisemitismus | Bildquelle: REUTERS
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Demonstration in Berlin gegen Antisemitismus: Seit 2010 wurden bundesweit 11.786 judenfeindliche Straftaten erfasst.

"Hass gegen jüdisches Leben ist groß"

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte den Zeitungen der "Funke Mediengruppe", der Antisemitismus in Ostdeutschland sei besonders bedrohlich, "denn obwohl in vielen Regionen kaum Juden leben, ist der Hass gegen jüdisches Leben groß". Klein will die Arbeit der ostdeutschen KZ-Gedenkstätten wie Buchenwald oder Sachsenhausen stärken. Die Erinnerungsorte seien zwar sehr gut besucht, müssten aber noch stärker in Schulen und Jugendzentren präsent sein. "Besonders dort, wo die Jugend in Ostdeutschland lebt, muss der Kampf gegen Antisemitismus stärker aufgenommen werden."

"Hass, Gewalt und Verbrechen, die sich gegen ihre Religion oder Geschichte richten, ist für Juden in Deutschland immer noch eine alltägliche Erfahrung", beklagte die FDP-Innenpolitikerin Teuteberg. Die Bestellung eines Antisemitismusbeauftragten durch die Bundesregierung sei gut, könne aber nur der Anfang der Auseinandersetzung mit Judenhass in Deutschland sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk ( Hintergrund ) am 25. Mai 2018 um 18:40 Uhr.

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