Baden-Württemberg, Singen am Hohentwiel: Ein Labor-Mitarbeiter hält einen Ständer mit diversen Rachenabstrichröhrchen in den Händen. | dpa

Coronavirus in Deutschland Anteil von Delta-Variante fast verdoppelt

Stand: 23.06.2021 20:26 Uhr

Der Anteil der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus hat sich in Deutschland laut Robert Koch-Institut binnen einer Woche fast verdoppelt. Jüngere Ungeimpfte könnten den Delta-Anteil bis August europaweit sogar auf 90 Prozent treiben.

Trotz weiter rückläufiger Sieben-Tage-Inzidenz wächst in Deutschland der Anteil der als besorgniserregend eingestuften Delta-Variante deutlich. Er verdoppelte sich in einer Stichprobe im Vergleich zur Vorwoche fast auf nun 15,1 Prozent, wie aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni.

Die Werte für die Woche zuvor wurden wegen Nachmeldungen rückwirkend von etwa sechs auf acht Prozent korrigiert. In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von vier auf acht auf 15 Prozent. Dieses Tempo hatten Fachleute befürchtet.

Das RKI schreibt: "Diese starke Zunahme der Anteile geht mit einer leichten Zunahme der Delta-Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche bei weiterhin abnehmender Inzidenz einher." Die aktuelle Verbreitung der Varianten in Deutschland zeige, dass damit zu rechnen sei, dass Delta sich gegenüber den anderen Varianten durchsetzen werde.

Merkel sieht Lösung in Impfungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer fortschreitenden Impfkampagne an. Der "Schlüssel zur Überwindung der Pandemie" sei "natürlich die Impfung", sagte Merkel. Das Ziel bleibe, "allen Bürgerinnen und Bürgern bis Ende des Sommers ein Impfangebot machen zu können". Eine Impfung sei "nach allem, was die Wissenschaft bisher einschätzen kann, auch der beste Schutz vor der Delta-Variante"

Noch dominiert bundesweit die in Großbritannien entdeckte Variante Alpha (B.1.1.7) das Infektionsgeschehen, der Anteil an den positiven Fällen in der Stichprobe ist nun jedoch nach Wochen mit Werten von um 90 Prozent auf 74 Prozent geschrumpft.

Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) warnte vor einem starken Anstieg der Delta-Variante in Europa. Demnach könnte diese bis Ende August für 90 Prozent der Corona-Neuinfektionen in der EU verantwortlich sein. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante während des Sommers erheblich zirkulieren wird, besonders unter jüngeren Menschen, die nicht geimpft werden", erklärte Andrea Ammon, Leiterin ECDC.

Die EU-Behörde schätzt, dass die erstmals in Indien nachgewiesene Variante 40 bis 60 Prozent ansteckender ist als die Alpha-Variante. Um der Ausbreitung der hochansteckenden Variante B.1.617.2 entgegenzuwirken, sei es "sehr wichtig, die Impfkampagne mit hohem Tempo voranzutreiben", erklärte das ECDC. 

EU-Gesundheitsbehörde warnt vor Lockerungen

Bislang sind laut der Behörde rund 30 Prozent der über 80-Jährigen und etwa 40 Prozent der über 60-Jährigen in der EU noch nicht vollständig geimpft. "In diesem Stadium ist es entscheidend, dass die zweite Impfdosis innerhalb des zulässigen Mindestzeitraums nach der ersten Dosis verabreicht wird", betonte Ammon. 

Das ECDC mahnte auch zur Vorsicht bei der Lockerung von Corona-Beschränkungen. Dies könnte zu "einem schnellen und deutlichen Anstieg" der Infektionen in allen Altersgruppen führen. In der Folge könnte es zu einer Zunahme der Krankenhausaufenthalte und Todesfälle kommen, "die möglicherweise das gleiche Niveau wie im Herbst 2020 erreichen, falls keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden", erklärte die EU-Behörde.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. Juni 2021 um 20:15 Uhr.