Eingang zur Gedenkstätte Sachsenhausen | Bildquelle: dpa

Sachsenhausen AfD-Besuchergruppe hetzt in KZ-Gedenkstätte

Stand: 31.08.2018 16:52 Uhr

Sie verharmlosten NS-Verbrechen und zweifelten Gaskammern an: Die Führung einer Besuchergruppe der AfD-Politikerin Weidel in der Gedenkstätte Sachsenhausen musste abgebrochen werden. Die Polizei ermittelt.

Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel soll eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen so gestört haben, dass sie abgebrochen wurde. Dabei sollen auch "antisemitische und historisch unhaltbare Äußerungen" gemacht worden sein, sagte eine Sprecherin der Bundesregierung dem Berliner "Tagesspiegel".

"Permanent gestört"

Unter den 17 Teilnehmern des Gedenkstättenbesuchs seien fünf bis sechs Personen gewesen, die die Führung permanent unterbrochen und gestört hätten, heißt es unter Berufung auf den Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Horst Seferens. Aus der Gruppe heraus sei unter anderem die Existenz von KZ-Gaskammern in Zweifel gezogen worden. Die Führung sei daraufhin abgebrochen worden. Die Brandenburger Polizei leitete inzwischen Ermittlungen ein.

Das Bundespresseamt organisiert und finanziert regelmäßig Informationsfahrten für Besuchergruppen von Abgeordneten des deutschen Bundestages nach Berlin, so auch in diesem Fall. Der Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen durch die Gruppe aus Weidels Wahlkreis am Bodensee sei von ihr explizit gewünscht worden, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

Weidel beklagt unzureichende Informationen

Sie selbst hatte nach Angaben ihres Büros nicht an dem Besuch teilgenommen. Die Fraktionschefin habe von den Vorwürfen gegen Mitglieder der Besuchergruppe keine Kenntnis gehabt, hieß es weiter. Sie sei weder von der Gedenkstätte noch vom Bundespresseamt informiert worden. Das sei "nicht verständlich", sagte ihr Sprecher.

Der 17-köpfigen Gruppe hätten auch Besucher angehört, die nicht Mitglied der AfD und Weidel nicht bekannt gewesen seien. Weidel kenne "niemanden, der solches Gedankengut äußern würde". Das sei "nicht vorhersehbar" gewesen. Der Sprecher verwies darauf, dass es noch widersprüchliche Angaben zu den Ereignissen in der Gedenkstätten gebe. Das müsse noch "Licht ins Dunkel" gebracht werden. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, sei es "natürlich absolut eine nicht gutzuheißende Sache".

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende von ihnen wurden ermordet oder starben auf andere Weise. 1942 wurde in Sachsenhausen eine Vernichtungsanlage mit Krematorium, Genickschussanlage und später eingebauter Gaskammer errichtet, die von der SS als "Station Z" bezeichnet wurde.

Der Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, sagte im RBB, es gebe immer mehr Besucher, die NS-Verbrechen bei Führungen relativieren wollten. Das beobachteten seine Mitarbeiter in den KZ-Gedenkstätten. Er warnte, "dass solche revisionistischen Tendenzen unsere Kultur und unsere Gesellschaft wirklich bedrohen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. August 2018 um 02:00 Uhr, 03:00 Uhr und 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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