Ein Mann betrachtet in der Ausstellung "Mindbombs" ein Werk der "Initiative 19. Februar Hanau". | dpa

Auszeichnung Aachener Friedenspreis für Hanau-Angehörige

Stand: 21.09.2021 13:23 Uhr

Zwei Initiativen von Angehörigen der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau werden mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Zudem geht der Preis an eine interreligiöse Fraueninitiative in Nigeria.

Der diesjährige Aachener Friedenspreis geht an zwei Anti-Rassismus-Initiativen rund um die Anschläge von Hanau sowie ein interreligiöses Friedensprojekt in Nigeria. Trotz eigener Betroffenheit und Traumata setzen sich die drei Gruppierungen für Frieden, Sensibilisierung und Aufklärung ein, wie der Verein Aachener Friedenspreis mitteilte.

Die "Initiative 19. Februar Hanau" wurde von den Angehörigen der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags im vergangenen Jahr gegründet, bei dem ein 43 Jahre alter Deutscher gezielt neun Menschen getötet hatte. Mit der Initiative wollen die Hinterbliebenen ihrer Solidarität und den Forderungen nach Aufklärung und politischen Konsequenzen einen dauerhaften Ort geben. In unmittelbarer Nähe zu einem der Tatorte erschuf die Gruppierung zudem ein soziales Zentrum als Ort für Begegnung und Beratung.

Am 14. November gründete Serpil Temiz Unvar zudem die "Bildungsinitiative Ferhat Unvar", benannt nach ihrem Sohn, der bei dem Anschlag ums Leben kam. Diese bietet unter anderem in Schulen antirassistische Workshops an und ist gleichzeitig Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche mit Rassismuserfahrungen und deren Eltern. Die beiden Gruppen aus Hanau werden gemeinsam ausgezeichnet.

Auszeichnung für "Mütter für den Frieden"

Weiter ehrt der Verein die interreligiöse Fraueninitiative WIC (Women's Interfaith Council) in Nigeria, auch "Mütter für den Frieden" genannt. Sie setzt sich seit 2010 in der Krisenregion Kaduna für ein gewaltfreies Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen ein. Nach Anschlägen auf Dorfgemeinschaften oder einzelne Menschen suchen christliche und muslimische Mitglieder der Initiative Betroffene auf und kümmern sich um die Opfer. Viele der Frauen hätten mit ansehen müssen, wie ihre Ehemänner und Kinder ermordet wurden.

Die Preisverleihung am 13. November findet voraussichtlich online und in Präsenz statt. Der Aachener Friedenspreis wurde 1988 erstmals verliehen. Ziel der Auszeichnung ist es, Einzelpersonen oder Gruppen zu würdigen, die "von unten her" zu Frieden und Verständigung beitragen. Im vergangenen Jahr bekamen der in Marokko in der Flüchtlingsarbeit engagierte katholische Priester Antoine Exelmans und die brasilianische Menschenrechtsorganisation Centro Gaspar Garcia den Preis.

Der Preis ist zweigeteilt, wobei beide Träger jeweils 2000 Euro erhalten. Die Auszeichnung soll den Initiativen zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit verhelfen und dadurch die in schwierigen Bedingungen arbeitenden Gruppen vor Repressionen und Gewalt schützen.