Jens Spahn | dpa
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Spahn-Äußerungen zu Schulen Beispiele, aber keine Beschlüsse

Stand: 22.06.2021 08:10 Uhr

Gesundheitsminister Spahn habe angekündigt, dass der Schulbetrieb im Herbst wieder im Wechselmodell stattfinden werde, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Doch tatsächlich hat Spahn das so nicht gesagt.

Von Dominik Lauck, Redaktion ARD-faktenfinder

Wie soll es an Deutschlands Schulen nach den Sommerferien weitergehen? Seit Wochen treibt diese Frage Politik und Betroffene um. "Wie nebenbei" habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Wochenende die Antwort auf einer Online-Diskussionsveranstaltung verkündet, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Der CDU-Politiker habe mitgeteilt, dass "das volle Programm" an Schutzmaßnahmen aufrecht erhalten werde - inklusive Maskenpflicht und Wechselunterricht.

Dominik Lauck

Der SZ war diese vermeintliche Ankündigung einen eigenen Kommentar wert - Titel: Durchgefallen. "Ein Albtraum für Kinder und Eltern" sei Spahns Äußerung, wonach "der Schulbetrieb im Herbst wieder im Wechselmodell stattfinden wird". Die Autorin schien sich zu wundern, dass der CDU-Politiker diese wichtige Weichenstellung nicht auf großer Bühne der Öffentlichkeit mitgeteilt habe, sondern bei einer eher wenig beachteten Online-Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing. "Die lässige Selbstverständlichkeit, mit der Spahn das vorträgt, ist bemerkenswert", schrieb sie.

Wer den Online-Stream am Samstag nicht live verfolgt hatte, konnte die Aussagen zunächst nicht überprüfen. Andere Medien berichteten deutlich zurückhaltender. "Im Herbst und Winter würden trotz derzeit sehr niedriger Inzidenzen voraussichtlich nach wie vor Maßnahmen wie Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht notwendig sein", zitierte etwa die Nachrichtenagentur dpa den Gesundheitsminister.

Videomitschnitt ging zwei Tage später online

Die tagesschau meldete in ihrer 20-Uhr-Ausgabe: "Bundesgesundheitsminister Spahn geht davon aus, dass die Corona-Maßnahmen in Schulen noch längere Zeit aufrechterhalten werden müssen. Auch nach den Sommerferien würden voraussichtlich Maßnahmen wie Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht notwendig sein, sagte Spahn bei einer Online-Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing."

Erst am Montag stellte die Akademie den Mitschnitt der Veranstaltung online, wie "taz"-Redakteur Malte Kreutzfeldt feststellte. "Die Aufregung, die dieser Kommentar ausgelöst hat, scheint mir etwas übertrieben", schrieb er nach Durchsicht der 52 Minuten langen Aufnahme auf Twitter. Dass Spahn für den Herbst definitiv Wechselunterricht angekündigt habe, "höre ich da jedenfalls nicht raus".

Beispiele statt konkreten Maßnahmen

Spahn teilte demnach seine Einschätzung mit: "Wir werden eine Zeitlang, gerade im Herbst/Winter, in den Schulen noch Schutzmaßnahmen brauchen." Allerdings betonte er ausdrücklich, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, welche Maßnahmen angedacht seien: "Ich will die jetzt noch nicht en detail definieren." Der Gesundheitsminister wiederholte wenig später: "Wir werden nicht völlig ohne Schutzmaßnahmen - sei es Maske, Abstand, Wechselunterricht, Tests vor allem auch - wieder in den Schulbetrieb gehen können."

Spahn nannte also vielmehr Beispiele für mögliche Corona-Auflagen, nicht aber konkrete Maßnahmen oder gar Beschlüsse. Die SZ begann hingegen ihren Kommentar mit dem Satz "Gesundheitsminister Spahn kündigt an, dass der Schulbetrieb im Herbst wieder im Wechselmodell stattfinden wird." Ein feiner Unterschied. Journalist Kreutzfeldt hofft, dass sich nach Studium des Mitschnitts "vielleicht alle wieder etwas beruhigen".

Warnung vor erneuter Benachteiligung

Angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus auch in Deutschland befürchten Fachleute allerdings erneute Einschränkungen für Kinder und Jugendliche.

Der Kinderschutzbund mahnte in diesem Zusammenhang zu mehr Vorbeugung und besserem Schutz an Schulen. Auch in dieser Phase der Pandemie werde dafür politisch wieder nicht genug unternommen - etwa durch bessere Digitalausstattung oder den rechtzeitigen Einbau von Lüftungen, sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juni 2021 um 08:00 Uhr.