Die Corona-Warn-App ist auf dem Display eines Smartphones zu sehen. | Dominik Lauck
FAQ

Corona-Pandemie Wie nützlich ist die Warn-App noch?

Stand: 25.08.2021 10:31 Uhr

Knapp 60 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft, es gibt weniger Warnmeldungen als früher - wie wichtig ist die Corona-Warn-App eigentlich noch bei der Pandemie-Bekämpfung?

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

Ist die Corona-Warn-App auch für Geimpfte noch nützlich?

Die Nutzung der App wird vom Robert Koch-Institut (RKI) als Herausgeber der App auch für Geimpfte noch empfohlen. Dies liegt daran, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung an Covid erkrankt, zwar niedrig ist - aber eben nicht Null. "Es muss davon ausgegangen werden, dass einige Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung (asymptomatisch) PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden", erklärt das RKI gegenüber tagesschau.de. "Dieses Risiko muss durch das Einhalten der Infektionsschutzmaßnahmen - und gegebenenfalls einer Warnung relevanter Kontakte mit Hilfe der Corona-Warn-App - zusätzlich reduziert werden." Seit Februar gab es laut RKI mehr als 13.000 sogenannte Impfdurchbrüche (Stand 19. August) - also Covid-Erkrankungen von bereits vollständig geimpften Personen - bei mittlerweile fast 50 Millionen Personen.

Dominik Lauck

Warum bekomme ich weniger Warnungen als früher?

Die Risikoberechnung wurde im Dezember 2020 entscheidend verändert. Anders als früher werden nun die kurzzeitigen Begegnungen mit niedrigem Risiko (grüne Warnmeldung) nicht mehr einzeln betrachtet, sondern zusammengefasst. Für die Risikobewertung ist nun nicht mehr eine einzige Begegnung ausschlaggebend, sondern die Summe der Risikominuten pro Tag. Dadurch bekommen die Nutzerinnen und Nutzer deutlich seltener Warnmeldungen angezeigt.

Wie muss ich mich bei einer roten Warnmeldung verhalten?

Eine Risiko-Begegnung mit "erhöhtem Risiko" (Meldungsfeld ist rot unterlegt) bedeutet, dass man in den vergangenen 14 Tagen einer Person begegnet ist, die mittlerweile positiv getestet wurde. Der Kontakt war recht nah, er dauerte an einem Tag in der Summe mindestens fünf Minuten bei einer Entfernung von bis 1,5 Metern (oder beispielsweise mindestens zehn Minuten bei einer Entfernung zwischen 1,5 und 2,5 Metern).

Wer solch eine rote Warnmeldung angezeigt bekommt, sollte umgehend Kontakte mit anderen Menschen vermeiden und seinen Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder das Gesundheitsamt anrufen, um das weitere Vorgehen abzuklären. Die Entscheidung über eine Krankschreibung oder die Anordnung einer Quarantäne trifft der behandelnde Arzt oder das zuständige Gesundheitsamt nach einer entsprechenden eigenen Einschätzung.

Wann habe ich Anspruch auf einen kostenfreien PCR-Test?

In der Testverordnung ist seit Oktober festgeschrieben, dass alle Nutzerinnen und Nutzer der App, die eine rote Warnmeldung erhalten haben, Anspruch auf einen kostenfreien PCR-Test haben. Allerdings sind die Auskünfte, die Betroffene vom ärztlichen Bereitschaftsdienst oder Hausarzt erhalten, sehr unterschiedlich. Oft wird empfohlen, einen PCR-Test nur zu machen, wenn man auch Symptome einer Covid-19-Erkrankung hat. Dies geht wahrscheinlich auf die gängige Praxis im vergangenen Herbst und Winter zurück, als das Gesundheitssystem häufig überlastet war.

Wer hingegen eine grüne Warnmeldung angezeigt bekommt (Risiko-Begegnungen mit "niedrigem Risiko"), hat keinen Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test.

Reicht bei einer roten Warnmeldung auch ein Schnelltest aus?

Ein PCR-Test ist wesentlich genauer als ein Schnelltest und erkennt eine Infektion deutlich früher. Wie der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" erklärte, ist "der frühe Gewinn in der Diagnostik durch die Antigentests nicht so groß". Ein Schnelltest zeige ein positives Ergebnis in der Regel erst an, "wenn jemand Symptome hat" - ein PCR-Test hingegen bereits "zwei, drei Tage" früher. Daher ist es ratsam, bei einer roten Warnmeldung gleich einen PCR-Test zu machen.

Das RKI will keine Empfehlung aussprechen. "Ob man sich symptomlos testen lassen sollte, ist situationsabhängig", erklärte ein Sprecher auf Anfrage von tagesschau.de.

Was bedeutet eine grüne Warnmeldung?

Wer eine Risiko-Begegnung mit "niedrigem Risiko" angezeigt bekommt, hat in den vergangenen 14 Tagen entfernten Kontakt zu einer Person gehabt, die mittlerweile ein positives Testergebnis in die App eingetragen hat. Die Ansteckungsgefahr wird vom RKI jedoch als gering eingeschätzt. Dazu wendet das RKI einen eigenen Berechnungsschlüssel an.

Begegnungen, die pro Tag in der Summe weniger als neun Minuten gedauert haben, werden als unbedenklich eingestuft - egal, wie nahe sich die Smartphones dabei gekommen sind. Das gleiche gilt für Begegnungen, bei denen die Smartphones im Durchschnitt mehr als acht Meter voneinander entfernt waren - unabhängig davon, wie lange die Begegnung insgesamt dauerte.

Corona-Warn-App zeigt niedriges Risiko an | Dominik Lauck

So sieht eine grüne Warnmeldung aus. Sie besagt, dass man in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einer Person hatte, die mittlerweile positiv getestet wurde. Da der Kontakt nicht sehr eng war, wird die Ansteckungsgefahr als gering eingestuft. Bild: Dominik Lauck

Kompliziert wird es, wenn Begegnungen zwischen diesen klar definierten Bereichen stattfanden - wenn man beispielsweise im Bus 20 Minuten lang drei Meter von einer Person entfernt saß, die später positiv getestet wurde. Dann fließen noch weitere Faktoren in die Risikoberechnung mit ein, etwa wie viele Tage seit der Begegnung vergangen sind - entsprechend unterschiedlich ist die Infektiosität - oder ob es an einem Tag mehrere solcher entfernten Begegnungen mit positiv Getesteten gegeben hat.

Die Kriterien der Risikoermittlung wurden "anhand von Erfahrungswerten unter Berücksichtigung der aktuell vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse" von den Projektbeteiligten (RKI, Deutsche Telekom, SAP sowie dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen) festgelegt. Dieses Verfahren wurde immer wieder angepasst - zuletzt im April, "um mutierte Virusvarianten zu berücksichtigen".

Wie erhalte ich das Testergebnis auf der App?

Nutzerinnen und Nutzer der Corona-Warn-App können sich das eigene Testergebnis vom Labor digital übermitteln lassen. Der QR-Code, den man bei einem PCR-Test erhält, muss mit der App gescannt werden, um dann das Testresultat übermittelt und angezeigt zu bekommen. Auch wenn ein positives Testergebnis per App übermittelt wurde, muss es dennoch von der Nutzerin oder dem Nutzer der App aktiv zur anonymen Warnung anderer weitergeben werden.

Wie viele Menschen nutzen die App?

Bislang wurde die App mehr als 32 Millionen Mal heruntergeladen. Nach Angaben der Bundesregierung haben etwa 500.000 Nutzerinnen und Nutzer, die positiv getestet wurden, dies über die App auch anonym möglichen Kontaktpersonen mitgeteilt - zuletzt etwa 700 Nutzer am Tag (Stand 23.08.2021).

Allerdings haben die Entwickler auch festgestellt, dass rund 39 Prozent der App-Nutzerinnen und -Nutzer ihr positives Testergebnis nicht in die App eingeben und somit darauf verzichten, ihre Kontakte zu warnen. Denn ob ein positives Testergebnis geteilt wird oder nicht, entscheidet grundsätzlich jede Person für sich.

Auf welchen Smartphones kann die App installiert werden?

Beim iPhone muss das Betriebssystem iOS 12.5 installiert sein. Das wird für Geräte ab dem iPhone 5s oder dem iPhone 6 bereit gestellt. Für Apple-Geräte wird die App hier im App-Store zum Download angeboten.

Bei Android-Handys muss Bluetooth LE unterstützt werden. Das ist ab Android 6 der Fall - diese Version wurde Ende 2015 veröffentlicht. Besitzer von Android-Handys können die App hier im Google-Play-Store laden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juni 2021 um 12:00 Uhr.