Eine Frau steht vor ihrem zerstörten Haus, Satkhira/Bangladesch | AFP

Zyklon in Indien und Bangladesch Inzwischen mehr als 80 Tote

Stand: 21.05.2020 15:10 Uhr

Die Zahl der Todesopfer durch den Zyklon "Amphan" in Indien und Bangladesch ist auf mindestens 80 Menschen gestiegen. Der Wirbelsturm hinterließ große Schäden, Tausende Häuser sind zerstört.

Zyklon "Amphan" hat im indischen Westbengalen und in Bangladesch mehr als 80 Menschen getötet und große Schäden verursacht. Allein im besonders betroffenen nordostindischen Bundesstaat Westbengalen gab es mindestens 72 Tote, sagte Regierungschef Mamata Banerjee. Bangladesch meldete mindestens zwölf Todesopfer durch den Sturm, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Der Sturm war laut dem indischen meteorologischen Dienst einer der schlimmsten Stürme der vergangenen 20 Jahre in der Region. Die Windböen hatten bis zu 185 Kilometer pro Stunde erreicht.

Tausende Häuser zerstört

In weiten Teilen der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Kalkutta in Westbengalen sei der Strom ausgefallen. Der Flughafen der Stadt war völlig überflutet, es gab umgestürzte Strommasten und umgekippte Autos, wie Fernsehbilder zeigten. Es brauche mehrere Tage, um das ganze Ausmaß der Schäden abzuschätzen, so die Behörden. Durch den starken Regen stand die Stadt zeitweise knietief unter Wasser. Die Behörden sagen, in den Küstendörfern sei fast alles zerstört worden.

Die Tausenden zerstörten Häuser und Wohnungen "sehen aus, als seien sie von einem Bulldozer überfahren worden", erzählte ein Dorfbewohner den Nachrichtenagenturen. Der Mann lebt auf der indischen Seite der Sundarbans. Das sind die größten Mangrovenwälder der Erde und sie gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Das Auge des Zyklons ist genau über die Wälder hinweg gezogen. Die Behörden sind besorgt, dass der Wirbelsturm auch hier einen großen Schaden angerichtet haben könnte.

Ein Mann auf einer überfluteten Straße in Kalkutta/Indien. | REUTERS

Überflutete Straßen in der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Westbengalen, Kalkutta: Die Stadt hat der Zyklon stark getroffen. Bild: REUTERS

Drei Millionen Menschen in Notlagern

Rund drei Millionen Menschen sind derzeit in Notlagern untergebracht, sowohl in Indien als auch in Bangladesch. Sie waren in Sicherheit gebracht worden, bevor der Sturm das Festland erreicht hatte. Ausläufer des Wirbelsturms zogen auch über eines der größten Flüchtlingslager der Welt: Im Süden von Bangladesch leben rund eine Million Flüchtlinge, in provisorischen Hütten. Auf Videos von Nachrichtenagenturen ist zu sehen, wie die Menschen dort verzweifelt versuchen, das heftige Regenwasser zu kontrollieren, das die engen Wege zwischen den Hütten in Schlammlawinen verwandelt hat.

"Besonders dringend auf Unterstützung angewiesen sind Arme, Alte und Kranke, die der Verlust ihres Hab und Guts existenziell trifft", teilte das Hilfswerk Caritas mit. Caritas-Nothilfe-Teams hätten in schwer getroffenen Regionen Tausende Überlebens-Pakete für Familien in Schutzbauten und Evakuierungszentren bereitgestellt. Benötigt werden den Angaben zufolge vor allem Lebensmittel, sauberes Trinkwasser, Hygiene-Artikel sowie Werkzeug und Material für die Reparatur der vom Sturm beschädigten Häuser.

In beiden Ländern steigen auch die Zahlen von Infektionen durch das Corona-Virus. Freiwillige Helfer berichteten, dass der nötige Abstand zwischen den Menschen in der derzeitigen Katastrophen-Situation kaum eingehalten werden könne.

Einheimische fahren in Sri Lanka mit Schlauchbooten durch die Straßen, die zuvor durch die heftigen Regenfälle des Zyklons überflutet worden sind.  | dpa

Mitten in der Corona-Pandemie hat einer der stärksten Stürme in der jüngeren Geschichte der Region unter anderem Indien und Bangladesch getroffen. Bild: dpa

Sturm zieht über Region weiter

Der indischen Meteorologiebehörde und dem Katastrophenschutz zufolge werden weitere heftige Regenfälle, Gewitter und Sturmböen erwartet. Der Sturm sollte weiter über Bangladesch ziehen und sich dann Richtung Norden nach Bhutan bewegen.

Wirbelstürme kommen im Golf von Bengalen immer wieder vor. Bei einem großen Zyklon im Jahr 1999 starben rund 10.000 Menschen. Experten gehen davon aus, dass die Intensität der Stürme in den vergangenen Jahren unter anderem wegen des Klimawandels tendenziell zugenommen hat. Die Opferzahlen waren aber in den vergangenen Jahren generell kleiner, da es inzwischen mehr gute Notunterkünfte und Evakuierungspläne gibt.

Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Mai 2020 um 14:00 Uhr.