Ein Mann läuft an einem beschädigten Gütercontainer vorbei. | Bildquelle: REUTERS

Zugunglück in Dänemark War leerer Lkw-Anhänger die Ursache?

Stand: 02.01.2019 17:41 Uhr

Sechs Menschen kamen bei dem Zugunglück auf der Brücke über den Großen Belt in Dänemark ums Leben. Auf der Suche nach der Unfallursache nehmen die Ermittler die Ladung eines Güterzuges ins Visier.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Die Front des Steuerwagens vorn am Zug ist an einer Seite total eingedrückt. Viel verbogenes Metall ist zu sehen, die große Scheibe ist zerstört. Auch in den Waggons dahinter zeigen sich schwerste Beschädigungen, zerbrochenes Glas und aufgerissene Plastikverkleidungen.

Zugunglück auf der Große-Belt-Brücke in Dänemark | Bildquelle: AFP
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Der beschädigte Frachtzug nach dem Zugunglück auf der Brücke über den Großen Belt in Dänemark.

Schwerstes Unglück in Dänemark seit mehr als 30 Jahren

"Es gab einen Knall, und dann brachen die Fenster über unseren Köpfen zusammen", berichtet Heidi Langberg-Zumbusch. "Wir flogen auf den Boden, und der Zug stoppte. Wir hatten Glück, aber die Menschen im Wagen vor uns hatten nicht so viel Glück. Wir sind noch mit einem Schock und ein paar Schnittverletzungen davongekommen."

Langberg-Zumbusch ist eine der Überlebenden des Unglücks, bei dem sechs der 131 Passagiere getötet und 16 verletzt worden sind. Es ist das schwerste Zugunglück in Dänemark seit mehr als 30 Jahren. Morgens gegen 7:30 Uhr waren sich zwei Züge auf dem westlichen Teil der Brücke über den Großen Belt begegnet: der Passagierzug und ein Güterzug der Bahntochter DB Cargo, der Lkw-Auflieger mit Getränkekisten geladen hatte.

Schnellzug fuhr auf Teile der Ladung auf

Polizeiinspekteur Lars Braemhoj äußerte sich am Mittag vor der Presse zu dem, was dann passierte. "Wir wissen zwar immer noch nicht im Detail, was die Ursache war", erklärte er. "Wir können jedoch bestätigen, dass ein Güterzug Teile seiner Ladung verloren hat und der Schnellzug dann auf diese Ladung aufgefahren ist. Dabei wurde der Schnellzug erheblich beschädigt."

Auf Bildern vom Unfallort ist zu sehen, dass mehrere der Lkw-Auflieger erheblich zerstört sind. Teile der Planen fehlen, auch an den Seiten. Die Unfallkommission, die das Unglück untersucht, schließt nach Berichten dänischer Medien nicht aus, dass einer dieser Auflieger womöglich leer und damit zu leicht war und von einer Sturmbö vom Güterzug in den Passagierzug geweht worden ist. Dann könnte er ihn frontal oder seitlich getroffen haben. Das würde die schweren Schäden erklären.

Brücke nur für Autos und Lkw gesperrt

Es wäre aber keine Antwort auf die Frage, warum überhaupt noch Züge auf der 18 Kilometer langen Brücke fahren durften bei dem Sturm. Die war für den Auto- und Lkw-Verkehr wegen des Windes längst gesperrt. Auch für den Zugverkehr auf der Brücke gibt es Windgeschwindigkeiten, ab denen entweder langsamer gefahren werden muss oder überhaupt nicht mehr fahren werden darf.

Die absolute Obergrenze für den Zugverkehr auf der Brücke liegt nach einer internen Anweisung des dänischen Schienennetzbetreibers bei der mittleren Windgeschwindigkeit von etwa 90 Stundenkilometern. Im Sturmtief waren vereinzelt Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern gemessen worden.

Zugunglück in Dänemark: Leerer LKW-Anhänger als Ursache?
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
02.01.2019 17:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Januar 2019 um 16:00 Uhr.

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