Deniz Yücel

Interview mit Deniz Yücel "Für schmutzige Deals stehe ich nicht zur Verfügung"

Stand: 17.01.2018 14:26 Uhr

Deniz Yücel ist zum Symbol der deutsch-türkischen Krise geworden. In einem Interview sagte der in der Türkei inhaftierte Journalist, er wolle auf keinen Fall mithilfe "schmutziger Deals" freikommen.

Der seit elf Monaten in der Türkei inhaftierte "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel lehnt einen etwaigen Tauschhandel zwischen Berlin und Ankara für seine Freilassung ab. "Für schmutzige Deals stehe ich nicht zur Verfügung", sagte Yücel in einem schriftlich über seine Anwälte geführten Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Er wolle seine Freiheit nicht "mit Panzergeschäften von Rheinmetall oder dem Treiben irgendwelcher anderen Waffenbrüder befleckt wissen". Auch wolle er keinen etwaigen Austausch mit Anhängern der Gülen-Bewegung, nach denen die Türkei fahndet.

Yücel gegen Panzer?

Der geschäftsführende Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte dem "Spiegel" kürzlich gesagt, die Türkei sei zwar NATO-Partner. "Trotzdem hat die Bundesregierung eine sehr große Anzahl von Rüstungsexporten nicht genehmigt. Dabei wird es auch bleiben, solange der Fall Yücel nicht gelöst ist." Gabriel betonte danach allerdings, er habe damit nicht gemeint, dass die Bundesregierung Rüstungslieferungen als Reaktion auf eine Freilassung Yücels genehmigen würde. "Ich habe keinesfalls die beiden Dinge miteinander verbunden", sagte er.

Die Außenminister Sigmar Gabriel und Mevlüt Cavusoglu, rechts, in Goslar | Bildquelle: dpa
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Die Inhaftierung Yücels belastet das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara, auch wenn sich die Außenminister beider Länder, Gabriel und Cavusoglu, zuletzt wieder angenähert haben.

Nur eine Stunde pro Monat mit seiner Frau

Der Fall Yücel ist der größte Streitpunkt im angespannten Verhältnis mit Ankara. Yücel sagte, es gehe ihm gut. Seine Isolationshaft - "eine Foltermethode" - sei nicht aufgehoben, sondern lediglich aufgelockert worden. "Dafür gibt es an anderer Seite eine Verschlechterung: Meine Frau Dilek kann ich, im besten Fall, für eine Stunde im Monat ohne Trennscheibe sprechen. Zuvor wurden wir dabei nur von außen beobachtet. Doch neuerdings sitzt ein Vollzugsbeamter im Raum."

Die von der türkischen Regierung stets ins Feld geführte Unabhängigkeit der Justiz bestreitet Yücel: "Es ist eine Lüge, dass die türkische Regierung in meinem Fall und im Fall vieler türkischer Kollegen bloß interessierter Beobachter sei." Das Justizministerium habe sich in Stellungnahmen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sowie ans türkische Verfassungsgericht den Vorwürfen aus dem Hafturteil gegen ihn angeschlossen. "Die Regierung ist kein Zuschauer, sie ist Partei, auch ganz offiziell."

Seit elf Monaten ohne Anklage in Haft

Der 44 Jahre alte Yücel war am 14. Februar 2017 in Istanbul festgenommen worden. Zwei Wochen später wurde wegen des Verdachts der "Terrorpropaganda" und der "Aufwiegelung der Bevölkerung" Untersuchungshaft gegen ihn verhängt. Seitdem sitzt er ohne Anklage im Gefängnis in Silivri westlich von Istanbul.

Die Bundesregierung fordert seine Freilassung. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte vergangene Woche betont: "Deniz Yücel ist kein politisch motivierter Fall." Der Streit um den Journalisten "vergiftet unsere Beziehungen", er könne sich aber deswegen nicht in die Angelegenheiten der unabhängigen Justiz einmischen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Yücel vorgeworfen, ein "deutscher Agent" und ein "Terrorist" zu sein.

Yücel äußert sich zu möglicher Freilassung
tagesschau 17:00 Uhr, 17.01.2018, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Januar 2018 um 12:00 Uhr.

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