Ein Dorf bei Khulna (Bangladesch) wird wegen des herannahenden Zyklons "Amphan" evakuiert | Bildquelle: AFP

Golf von Bengalen Flucht vor Zyklon "Amphan"

Stand: 19.05.2020 09:20 Uhr

Auf die indische Ostküste und Bangladesch kommt ein schwerer Zyklon zu. Zwei Millionen Menschen müssen vor "Amphan" in Sicherheit gebracht werden. Tausende verlassen ihre Heimatorte zu Fuß.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Wegen eines herannahenden schweren Wirbelsturms müssen im Golf von Bengalen mehr als zwei Millionen Menschen in Sicherheit gebracht werden. Der Zyklon "Amphan" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometer pro Stunde soll voraussichtlich morgen die indische Ostküste und das benachbarte Bangladesch erreichen.

Im Flussdelta des Ganges bei Kalkutta haben die Behörden mit der Evakuierung der tiefliegenden Ortschaften begonnen, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen war.

Auch die indische Armee ist mit Dutzenden Teams im Einsatz, wie der Generaldirektor der Nationalen Katastrophenschutz-Einheit, S.N. Pradhan, in Delhi bestätigte: "Wir haben 37 Teams im Einsatz, das sollte reichen. Aber wir bereiten uns auch auf das Worst-Case-Szenario vor", sagt er. "Im Bedarfsfall werden weitere Kräfte aus den benachbarten Bundesstaaten eingeflogen. Dabei arbeiten wir mit der Luftwaffe zusammen. Die stellen uns Flugzeuge dafür zur Verfügung."

Anwohner beklagen mangelnde Unterstützung

Nach Angaben der Behörden müssen allen im Bundesstaat Westbengalen mehr als 200.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Im benachbarten Bundesstaat Odisha bereiteten die Behörden Unterkünfte für über eine Million Menschen vor, hieß es.

Tausende haben sich zu Fuß auf den Weg gemacht, um die unmittelbare Gefahrenzone an der Küste zu verlassen. Andere sind in ihren Häusern geblieben. Ein Anwohner beschwert sich, dass niemand gekommen sei, um die Menschen zu evakuieren. "Wir sind auf uns alleine gestellt. Wir haben Kinder und auch Tiere, was soll ich denn mit denen machen? Die kann ich doch nicht mitnehmen? Wir bleiben deshalb hier."

Notunterkünfte öffnen

Im Bundesstaat Odisha haben die Behörden, wie jedes Jahr, Vorkehrungen für schwere Stürme getroffen. "In der Stadt haben wir alle Abwasserkanäle gereinigt, damit das Wasser ablaufen kann", berichtet Rinkesh Roy aus der Stadt Paradip. "Und wir haben die Notunterkünfte für den Fall eines Wirbelsturms vorbereitet. Dort können die Leute Schutz suchen. Wir haben auch Gesichtsmasken vorbereitet und achten darauf, dass genug Abstand eingehalten wird. Auch Trinkwasser und genug zu essen gibt es."

Tropische Wirbelstürme sind um diese Jahreszeit im Golf von Bengalen keine Seltenheit. 1999 war ein Zyklon mit Windgeschwindigkeiten von 260 Kilometer pro Stunde über den Bundesstaat Odisha hinweg gezogen, der damals noch Orissa hieß. Damals waren rund 10.000 Menschen ums Leben gekommen.

Region heute besser vorbereitet

Obwohl die Wirbelstürme in der Region in den vergangenen Jahren offenbar häufiger und heftiger geworden sind, ist die Zahl der Todesopfer gesunken. Grund dafür sind nach Einschätzung von Hilfsorganisationen bessere, effektivere und schnellere Evakuierungsmaßnahmen.

Im vergangenen Jahr waren durch den Zyklon "Fani" nur einige Dutzend Menschen ums Leben gekommen, hieß es in einem Bericht der Hilfsorganisation Caritas. Durch eine konsequente Katastrophen-Vorsorge der indischen Behörden seien folglich Tausende Menschen gerettet worden.

Indien: Bangladesch bereitet sich auf Zyklon vor
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
19.05.2020 07:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Mai 2020 um 07:03 Uhr.

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