Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" in Molde | Bildquelle: picture alliance / NTB scanpix

Havarie der "Viking Sky" "Knapp einer Katastrophe entgangen"

Stand: 25.03.2019 18:11 Uhr

Das vor der norwegischen Küste havarierte Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" ist ohne Zwischenfälle in einen Hafen geleitet worden. 460 Menschen waren zuvor an Land geflogen worden.

Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Tische rutschen von Backbord nach Steuerbord und zurück, Gläser fallen zu Boden, Teile der Deckverkleidung lösen sich, dann geht der Alarm los. Ein Albtraum für rund 1300 Passagiere und Besatzungsmitglieder der erst zwei Jahre alten "Viking Sky". Ein Maschinenschaden war aufgetreten und das in äußerst schwerer See und in einem berüchtigten Revier. Der Kapitän hatte keine Wahl. Er musste "Mayday" funken, das internationale Notsignal.

100 Meter von tückischen Felsen entfernt

Wie jetzt bekannt wurde, war das unter norwegischer Flagge fahrende Schiff im kritischsten Moment nur noch 100 Meter von tückischen Felsen direkt unter der Wasseroberfläche entfernt. Es ist damit nur knapp einer Katastrophe entgangen. Bis zum späten Vormittag wurde das Schiff evakuiert. Eine gefährliche und langsame Aktion mit wenigen Hubschraubern, die pro Tour nur um die 15 Menschen zum Festland in ein Notaufnahmelager fliegen konnten. Laut Polizei sind dabei bisher 17 der meist amerikanischen und britischen Passagiere verletzt worden, drei von ihnen schwer.

Eines der gefährlichsten Seegebiete

Einar Knudsen, Sprecher der norwegischen  Seerettung, sagte im norwegischen Rundfunk: "Klar, das war schon eine sehr ernste Situation: Ein Kreuzfahrtschiff mit 1300 Menschen an Bord in einem der gefährlichsten Seegebiete Nordeuropas mit Untiefen und Riffen." Sie hätten zunächst einen Anker geworfen, berichtet Knudsen, und eine der vier Maschinen wieder gestartet, um das Schiff zu stabilisieren.

Nach Angaben der Einsatzkräfte arbeiteten drei der vier Antriebsmaschinen im Laufe des Tages wieder, und die "Viking Sky" lief langsam mit sieben Knoten Richtung Molde - mit 900 Passagieren und Crewmitgliedern an Bord. Molde ist der nächste Hafen gut 50 Kilometer südwestlich von Kristiansund. Dort kam das Schiffe ohne weitere Zwischenfälle an.

Passagiere, die vom Kreuzfahrtschiff Viking Sky gerettet wurden, sind auf dem Festland in Hustadvika, Norwegen, angekommen. | Bildquelle: AP
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460 Menschen wurden von Bord an Land geflogen. Mittlerweile ist die Evakuierung gestoppt worden.

Lage unter Kontrolle

Einige der Geretteten haben im Internet Bilder und kleine Handyfilme von Bord veröffentlicht, auf denen sturmbedingte Schäden wie umgestürzte Möbel zu sehen sind, aber auch offenbar ruhige Menschen in Schwimmwesten, die auf den Abtransport per Helikopter warteten. Ihren Berichten zufolge lief es ruhig und geordnet.

"Ganz schön gruselig"

Unter den Geretteten sind Dany und Judith Bates aus den USA. Für ihn war die vergangene Nacht ziemlich schlimm: "Das war beängstigend", so Dany, "sie haben meine Frau und mich mit einem Seil zum Helikopter hoch gezogen. Ganz schön gruselig." Sie dagegen hat die Sache deutlich lockerer genommen. Ob sie Angst hatten, wurde Judith nach der Landung gefragt: "Nicht so viel. Ein bisschen, als es nach oben ging. Bis dahin hatte ich das Gefühl, dass sie alles unter Kontrolle haben und es schon gut gehen wird. Wir verbuchen das jetzt als unerwartetes Abenteuer."

Unterdessen sind auch neun Besatzungsmitglieder eines kleineren Frachtschiffes an Land gebracht worden, das am Abend in der Nähe der "Viking Sky" ebenfalls einen Motorschaden hatte und nun vor der westnorwegischen Küste mit schwerer Schlagseite in der immer noch aufgewühlten See treibt.

"Viking Sky" nimmt Kurs auf Hafen
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
24.03.2019 13:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. März 2019 um 12:00 Uhr.

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