Fidel Castro und Hugo Chavez | Bildquelle: AFP

Machtkampf Kubas Einfluss in Venezuela

Stand: 14.05.2019 05:12 Uhr

Kuba gilt als entscheidender Player in der Venezuela-Krise. Die Verbrüderung von Fidel Castro und Hugo Chávez vor 20 Jahren schuf eine Win-Win-Situation für beide Länder.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Die "unverbrüchliche Freundschaft" zwischen den Regierungen Kubas und Venezuelas geht zurück auf den früheren venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Er war ein Bewunderer von Kubas Revolutionsführer Fidel Castro. Vor 20 Jahren führte er den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" ein. Ihn habe die Idee fasziniert, Venezuela an Kuba auszuhändigen, meint der venezolanische Schriftsteller Alberto Barrera Tyszka. Er hat die kubanisch-venezolanischen Beziehungen in seinem Chávez-Roman "Die letzten Tage des Comandante" beleuchtet.

"Chávez wollte ein Held sein, ein Mythos wie Fidel. Er ahnte nicht, dass er jung sterben würde und träumte deshalb, er könne Fidels Platz in Lateinamerika übernehmen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit knüpfte er enge Beziehungen, die Kuba wirtschaftlich nutzten. Schon damals gab es Spekulationen, Kuba wolle sich das Öl Venezuelas aneignen. Chávez gab den Kubanern immer mehr Macht. Mit Ideologie hatte das nichts zu tun."

Öl für Ärzte

Chávez lieferte Öl an die seit fast 60 Jahren kommunistisch regierte Karibikinsel und erhielt im Gegenzug Ärzte für seine Gesundheitsstationen in Armenvierteln. Von Kuba lernen, hieß: kontrollieren lernen. Nach Chávez Tod und Nicolás Maduros Amtsantritt habe sich die Kooperation im Staatsapparat verstärkt, erzählen Insider wie der Ex-General Cliver Alcalá, der im kolumbianischen Exil lebt.

"Es gibt Belege dafür, dass Maduro in seiner Jugend vom kubanischen Geheimdienst in Kuba ausgebildet wurde. Dadurch entstanden sehr enge Verbindungen. Maduro reist ständig nach Kuba. Der Einfluss auf ihn ist total. Vor allem, weil sein eigener Geheimdienst aus kubanischen Mitarbeitern besteht."

Fidel Castro und Hugo Chavez-Bilder auf der Mai-Kundgebung in Caracas | Bildquelle: AFP
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Auf der diesjährigen Maikundgbung in Caracas sieht man Bilder von Hugo Chavez und Fidel Castro

Über deren Arbeit in Venezuela blühen die Spekulationen ebenso wie über Kubas Einfluss auf die Nachfolge von Chávez nach dessen Krebstod 2013. Angeblich war Nicolás Maduro der Wunschpräsident, weil er wegen seiner Nähe zu Kuba leicht kontrollierbar ist. Verglichen mit Hugo Chávez ist Maduro ein schwacher Präsident mit wenig Charisma. Die Wirtschaftskrise ist ihm entglitten.

"Kubanisches Drehbuch"

Um seine Macht zu sichern, setzt er auf Militär, Geheimdienst und ein in Venezuela so genanntes "kubanisches Drehbuch", nach dem unter anderem der Repressionsapparat funktioniert. Dazu gehören die Unterdrückung der Information durch Internetblockaden oder die Bewaffnung von Zivilisten. Diplomatische Initiativen zur Lösung der Venezuela-Krise, wie die Lima-Gruppe oder die Kontaktgruppe von europäischen und lateinamerikanischen Staaten, haben die Rolle Kubas erkannt und bitten daher um Vermittlung. Autor Barrera Tyszka findet das zwiespältig:

"Kuba schafft das Problem und präsentiert sich dann als Teil der Lösung. Sie sind sehr geschickt und haben eine äußerst intelligente Diplomatie. Für Kuba ist es fundamental, seine Interessen in Sicherheit zu bringen. Kuba spielt in die Hände, dass sich ihr Gegner US-Präsident Trump international unmöglich macht. Es kann also seine Karten ausspielen und am Ende erreichen, dass ihr Öl, das sie von Venezuela erhalten, nicht angetastet wird."

US-Sanktionen verbieten die Öl-Lieferungen derzeit. Für Kuba und Maduro wäre jetzt ein guter Moment, um zu verhandeln, meint Barrera Tyszka, weil die Opposition mit ihrem Führer Juan Guaidó nach dessen gescheiterter Rebellion geschwächt ist. Länder wie Deutschland, die Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt haben, seien es auch.

Kubas Einfluss in Venezuela
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
14.05.2019 06:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2019 um 05:26 Uhr.

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