Venezuelas Oppositionsführer Guaidó | Bildquelle: CRISTIAN HERNANDEZ/EPA-EFE/REX

Machtkampf in Venezuela Guaidó umwirbt Maduros Partner

Stand: 01.02.2019 09:42 Uhr

Der venezolanische Oppositionsführer Guaidó hat Verhandlungen mit Präsident Maduro ausgeschlossen. Reden will er aber mit Russland und China - wichtige Handelspartner und Unterstützer der derzeitigen Regierung.

Der selbst ernannte Interimspräsident und Oppositionsführer Venezuelas, Juan Guaidó, hat direkten Verhandlungen mit dem Staatschef Nicolás Maduro eine klare Absage erteilt. "Maduro ist ein Diktator", betonte der 35-Jährige in einem Interview mit dem kolumbianischen Sender NTN24. "Wenn er von Dialog spricht, will er nur Zeit gewinnen."

Maduro hatte sich öffentlich wiederholt offen für Verhandlungen mit der Oppositionsseite gezeigt. Zuletzt hatte er sogar frühere Parlamentswahlen in Betracht gezogen, vorgezogene Präsidentschaftswahlen schloss er jedoch kategorisch aus.

Guaidó sucht Kontakt zu Maduros Handelspartnern

Mehrere Staaten versuchen, Vermittlungen mit internationaler Unterstützung auf den Weg zu bringen, um den Machtkampf in dem südamerikanischen Land zu beenden - allen voran Mexiko und Uruguay. Beide Länder hatten für den 7. Februar zu einem Treffen in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo aufgerufen. Doch Guaidó stellte gegenüber dem mexikanischen Sender Milenio TV klar, dass er an diesem Treffen nicht teilnehmen werde. "Die Krise in Venezuela ist mit einem Dialog nicht zu lösen."

Während Guaidó Gespräche mit der Staatsführung unter Maduro abblockt, versucht er, Zugang zu den Wirtschaftspartnern des Präsidenten zu finden. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wandte sich Guaidó schriftlich an China und an Russland. Beide Staaten unterstützen bislang Maduro, verhinderten etwa mit ihrem Veto im Sicherheitsrat eine Resolution der UN gegen die venezolanische Regierung. Guaidó appellierte, für China und Russland wäre es das beste, die Seiten zu wechseln. Beide würden von einem stabilen Venezuela profitieren, was nur durch einen Regierungswechsel zu erreichen sei.

Venezuela schuldet China Milliarden

China und Russland zählen zu den wichtigsten Handelspartnern und Investoren von Venezuela. Aus der chinesischen Volksrepublik fließen seit rund 20 Jahren Summen in Milliardenhöhe nach Venezuela, vor allem in den Ölsektor. Venezuela verfügt über die größten Ölvorkommen weltweit, für das Land die rentabelste Einnahmequelle.

Doch nach Schätzungen der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) nutzt Venezuela mittlerweile fast 40 Prozent seiner geförderten Ölmenge, um den eigenen riesigen Schuldenberg abzutragen. Allein an China muss Maduros Regierung Kredite in Höhe von 60 bis 70 Milliarden US-Dollar zurückzahlen. Doch durch die Krise verfügt sie über keine finanziellen Rücklagen, zudem bricht die Ölförderung immer mehr zusammen. So droht China als Gläubiger Venezuelas leer auszugehen.

Nun hat die chinesische Regierung erstmals Konsequenzen gezogen: Sie zog einen weiteren Milliarden-Deal zwischen dem eigenen staatlich kontrollierten Unternehmen Petro-China und der venezolanischen Erdölgesellschaft PDVSA zurück.

USA nutzen Ölsektor als Druckmittel

Zuvor hatten bereits die USA Sanktionen gegen die PDVSA verhängt. Die USA hatten sich als erstes hinter Guaidó als Interimspräsidenten gestellt, mehrere Länder folgten - zuletzt erkannte auch die EU per Resolution Guaidó als rechtmäßigen Übergangsstaatschef an, bis in Venezuela freie Wahlen abgehalten werden können.

Die USA nutzen den Ölexport als Venezuelas wichtigste Einnahmequelle als wichtigstes Druckmittel gegen Maduro. Der Handel mit der PDVSA liegt auf Eis. US-Unternehmen Chevron, Halliburten und Schlumberger, die mit Venezuela Handel treiben, bekommen eine Übergangsfrist, um ihre Geschäfte einzuschränken. Die Erlöse von Citgo, einer US-Tochter von PDVSA, sollen auf ein Sperrkonto gehen.  

Mitarbeiter des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA demonstrieren für Maduro | Bildquelle: REUTERS
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Mitarbeiter des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA demonstrieren für Präsident Maduro.

"Wir führen Gespräche mit großen US-Unternehmen, die entweder in Venezuela tätig sind oder wie im Fall von Citgo in den Vereinigten Staaten", hieß es auch vom nationalen Sicherheitsberater der USA, John Bolton, gegenüber Fox News: "Ich glaube, wir haben alle das gleiche Ziel. Es wäre für die Vereinigten Staaten wirtschaftlich von großer Bedeutung, wenn amerikanische Öl-Gesellschaften investieren und die Fördermöglichkeiten aufbauen können. Das wäre gut für die Bevölkerung in Venezuela und in den USA."

Russland fürchtet um Waffenexporte

Solche Aussagen bieten Russland neue Argumente, um die USA anzugreifen. So warf der russische Außenminister Sergej Lawrow den USA Zynismus vor. Das US-Unternehmen in Venezuela von Sanktionen ausgeschlossen seien, zeige, dass die US-Regierung mit ihrem Ziel, Maduro zu stürzen, vor allem auch Profit machen wollten.

Auch Russland hat sich tief in das Ölgeschäft mit Venezuela eingekauft - der russische Rosneft-Konzern hat Milliarden investiert. Einen Einbruch des Ölsektors und ein weiterer Zusammenbruch der venezolanischen Wirtschaft würde also auch Moskau zu treffen. Neben dem Handelsgut Öl ist Russland auch größter Waffenlieferant für Maduros Regierung - auch dieses Geschäft droht für den Kreml mit einem Regierungswechsel in Caracas wegzubrechen.

Diese Befürchtungen versucht Guaidó nun für sich zu nutzen. Maduro und seine Regierung schütze ihre Investitionen nicht, richtete er seine Worte in Richtung Russland und China. Er hingegen werde dieser Verantwortung nachkommen.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington, und Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 31. Januar 2019 um 22:15 Uhr und am 01. Februar 2019 Deutschlandfunk um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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