US-Präsident Trump winkt auf seinem Weg vom Oval Office in den Rosengarten des Weißen Hauses | Bildquelle: AP

Ermittlungen in New York Vom Weißen Haus ins Gefängnis?

Stand: 09.11.2020 09:18 Uhr

Sexueller Missbrauch, Betrug, Steuerhinterziehung - die Liste der Vorwürfe gegen Trump ist lang. Wenn er nicht mehr US-Präsident ist, werden die Ermittler wohl richtig loslegen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Er kann nicht mehr nach New York zurück, sagt ein Mann, der sich auf dem Times Square in eine US-Flagge gehüllt hat. Er spricht vielen aus dem Herzen. Donald Trump soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. "Er ist definitiv nicht willkommen hier", sagt eine Frau und ein anderer Mann fügt hinzu: "In New York hassen ihn alle und betrachten ihn als Betrüger."

Weiträumig abgesperrt ist Trumps schwarzer Turm, der Trump Tower an der Fifth Avenue. Niemand denkt, dass der Hausherr hier wieder einzieht, sagt Historiker David Nasaw. "Ich glaube, es gibt keine Chance, dass Trump jemals zurück nach New York kommt." Oder sich traut. Denn ohne den Schutz des Weißen Hauses verliert Trump auch seine Immunität.

Rund 30 Verfahren laufen laut "New York Times" gegen ihn. Kein Wunder, dass Trump sich an die Macht klammert, sagt Nasaw. "Er weiß, dass er als Zivilist nicht mehr so geschützt gegen diese Klagen ist wie als Präsident. Vor all den Klagen, die es gibt. Und denen, die noch kommen." Sexueller Missbrauch, Betrug, Steuerhinterziehung, Geldwäsche. Alles ist dabei.

Offene Rechnungen in New York

Und es sei wahrscheinlich, dass die Ermittler nun erst richtig loslegen, sagt "New York Times"-Autor David Enrich: "Trump und seine Verbündeten haben bereits klargemacht, dass sie 2024 wieder ins Rennen ums Weiße Haus einsteigen würden. Das macht ihn zum Ziel für die Ermittler, die sonst vielleicht gesagt hätten: Okay, er ist nicht länger der Präsident, wir lassen das ruhen."

Zwei Untersuchungen allein leitet New Yorks Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance. Der Mann, der Harvey Weinstein ins Gefängnis gebracht hat. Vance will Trump nachweisen, dass er und seine Organisation Banken und Versicherungen in großem Stil betrogen haben. Vor dem Obersten Gericht erkämpfte sich Vance die Einsicht in Trumps Steuerunterlagen.

"Das dürfte für die Ermittler noch einfacher sein, wenn Trump nicht mehr den Schutzschild eines Präsidenten hat", sagt Enrich. In New York warten nicht nur Prozesse auf den hochverschuldeten Geschäftsmann, sondern auch offene Rechnungen, weiß der Bankenexperte: "Er muss in den nächsten vier Jahren über 300 Millionen Dollar an Krediten begleichen. Für die meisten hat er persönlich gebürgt. Wenn er nicht zahlt, können seine Gläubiger, vor allem die Deutsche Bank, Eigentum von ihm beschlagnahmen."

"Niemand würde ihm Geld leihen"

Das sei ohnehin nicht so groß, wie die vielen dazugekauften Trump-Namenszüge auf Gebäuden am Big Apple vermuten ließen, sagt Historiker Nasaw. Trump sei in dieser Immobilienszene immer ein kleiner Fisch gewesen. Keiner würde mit ihm noch Deals machen, sagt auch Politikwissenschaftler Doug Muzzio. Niemand würde ihm Geld leihen.

Geht er nach Florida?

Die Vermutung, die viele haben: Trump wird sich in Florida niederlassen, wo er bereits seinen Erstwohnsitz hat. Von dort aus werde er ein Medienorgan gründen, denkt auch Trump-Kenner Nasaw: "Er traut Murdoch und Fox nicht mehr. Er wird enormen Druck auf die Republikaner ausüben, um ihre Loyalität zu erzwingen und er wird sie damit erpressen, dass er sie andernfalls auch fallen lässt."

Dass es zu Verfahren und Geldstrafen kommt, das denken viele. Dass der Mann aus dem Weißen Haus hinter Gitter kommt, wenige - auch Historiker Nasaw nicht: Es wäre für die Nation nicht gut, wenn Trump ins Gefängnis käme "und sich damit noch über Generationen zum Märtyrer machen würde". Es würde die Nation weiter spalten. Und Trump noch in die Hände spielen.

Vom White House ins Gefängnis? In New York wartet Abrechnung auf Trump
Antje Passenheim, ARD New York
09.11.2020 08:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2020 um 09:38 Uhr.

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