Polizisten versuchen angesichts der Ausschreitungen am 6. Januar, das Kapitol in Washington zu sichern | AP

Nach Randale im Kapitol Polizist stirbt an Verletzungen

Stand: 08.01.2021 07:55 Uhr

Nach der Erstürmung des US-Parlaments ist ein Polizist an seinen Verletzungen gestorben. Unterdessen laufen die Ermittlungen zu der Randale auf Hochtouren. Nach Recherchen in sozialen Medien wurden mehr als 90 Menschen festgenommen.

Die US-Ermittlungsbehörden setzen auf eine zügige Aufarbeitung des Sturms auf das Kapitol. Strafverfolger arbeiteten die Nacht durch, um Beweise zu sammeln und Täter zu identifizieren. Nach Angaben der Washingtoner Polizei wurden mehr als 90 Menschen festgenommen. Das FBI richtete zudem eine Webseite für Hinweise auf Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol ein. Die US-Bundespolizei bietet dort die Möglichkeit, Videos und Fotos von Straftaten hochzuladen.

Die Ermittler können darüber hinaus auf eine Fülle von belastendem Material aus erster Hand zurückgreifen: Trump-Anhänger hatten in sozialen Medien selbst zahlreiche Fotos und Videos veröffentlicht. Da sie trotz des Corona-Risikos zumeist keine Masken trugen, sind darauf viele Gesichter klar zu erkennen. Die Angreifer wurden unter anderem dabei gefilmt, wie sie durch die Hallen des Kapitols laufen und in den Sitzungssaal sowie Büros von Abgeordneten eindringen.

Konsequente Strafverfolgung versprochen

Der geschäftsführende US-Justizminister Jeffrey Rosen hat eine konsequente Strafverfolgung der Randalierer vom Kapitol versprochen. Sein Ressort werde sicherstellen, dass die Verantwortlichen für die Attacke auf die Regierung und die Rechtsstaatlichkeit im Land für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen würden. Die US-Bundesstaatsanwaltschaft teilte mit, dass bereits in 55 Fällen Strafanträge gestellt worden seien. Hunderte Mitarbeiter des Justizministeriums durchforsteten derzeit die sozialen Medien nach weiteren Verdächtigen.

Aufgebrachte Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump waren am Mittwoch vor dem Sitz des US-Kongresses, dem Kapitol, aufmarschiert und hatten das nur spärlich gesicherte Parlamentsgebäude gestürmt. Die Bürgermeisterin der US-Hauptstadt Washington, Muriel Bowser, sagte, es handele sich um einen klaren Fall von "inländischem Terrorismus". Die Täter müssten festgenommen und vor Gericht gestellt werden.

Polizist stirbt nach Verletzungen

Unterdessen ist ein Polizist an seinen Verletzungen gestorben. Nach den Ausschreitungen kehrte er zunächst in das Büro seiner Einheit zurück und brach dort zusammen. Während des Sturms auf das Kapitol seien mehr als 50 Polizisten verletzt worden, mehrere für die Sicherheit des Kongresses arbeitende Einsatzkräfte seien mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gekommen, sagte der Chef der Kapitols-Polizei Steven Sund.

Die Belagerung des Kongressgebäudes sei einem kriminellen, randalierenden Verhalten gleichgekommen. Der Mob habe bei der Erstürmung des Gebäudes Metallstangen, chemische Reizstoffe und andere Waffen gegen die Einsatzkräfte verwendet. Die Protestler hätten Polizisten aktiv attackiert und seien entschlossen gewesen, unter großem Schaden in das Kapitol einzudringen.

Polizeichef tritt zurück

Nach heftiger Kritik am Vorgehen der Kapitols-Polizei hat ihr Chef nun persönliche Konsequenzen angekündigt. Das berichten der Sender CNN und die "Washington Post" unter Berufung auf Polizeikreise. Zum 16. Januar werde er als Chef der Kapitols-Polizei zurücktreten. Sund hatte seine Mitarbeiter zunächst verteidigt und gesagt, seine Polizisten hätten heldenhaft gehandelt. Eine interne Ermittlung soll nun klären, warum die Kapitols-Polizei auf den Ansturm der Randalierer nicht vorbereitet war.

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Der Tag, als das Kapitol in Washington gestürmt wurde

6200 Nationalgardisten bestellt

Das US-Verteidigungsministerium bestellte etwa 6200 Nationalgardisten für die Unterstützung der örtlichen Polizei. Der geschäftsführende Verteidigungsminister Christopher Miller aktivierte Nationalgardisten aus Virgina, Pennsylvania, New York, New Jersey, Delaware und Maryland für bis zu 30 Tage. Aus Pentagon-Kreisen hieß es, damit sollten das US-Kapitol und die Umgebung bis nach der Amtseinführung des gewählten Präsidenten Joe Biden am 20. Januar geschützt werden. Die Nationalgardisten sollen in den kommenden Tagen in Washington eintreffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2021 um 09:00 Uhr.