US-Präsident Donald Trump | REUTERS

Corona-Krise in den USA Höhepunkt der Totenzahlen in 14 Tagen?

Stand: 30.03.2020 08:38 Uhr

US-Präsident Trump verlängert die Verhaltensrichtlinien in den USA bis Ende April. Er erwartet steigende Opferzahlen in den kommenden Wochen. Der oberste Virologe des Landes befürchtet Millionen Fälle und mehr als 100.000 Tote.

US-Präsident Donald Trump erwartet, dass die Zahl der Toten in der Corona-Krise in den USA in zwei Wochen ihren Höhepunkt erreichen könnte. Deswegen verlängere er die ursprünglich bis zum 30. März geltenden Richtlinien zur sozialen Distanzierung bis zum 30. April, kündigte Trump im Rosengarten des Weißen Hauses an. Je besser die Richtlinien eingehalten würden, "desto schneller wird dieser Alptraum enden", sagte er.

Vor zwei Wochen hatte die Regierung Richtlinien für zunächst 15 Tage veröffentlicht, die unter anderem vorsehen, dass Menschen Abstand zueinander halten und Ansammlungen von mehr als zehn Menschen vermieden werden sollen. Trump zeigte sich optimistisch, dass bis zum Sommer das Schlimmste überstanden sei. "Wir können davon ausgehen, dass wir bis zum 1. Juni auf dem Weg der Erholung sind."

Die Zahl der Corona-Toten in den USA ist binnen 24 Stunden um 518 gestiegen. Damit starben bislang insgesamt mehr als 2400 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus in den USA, wie die in Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität am Sonntag mitteilte. Die Zahl der registrierten Infektionsfälle in den Vereinigten Staaten stieg demnach inzwischen auf über 140.000. 

Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in den USA. | AFP

Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in den USA. Bild: AFP

Mehr als 100.000 Tote befürchtet

Experten in Trumps Regierung gehen davon aus, dass das Coronavirus die USA noch stark treffen wird. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, rechnet mit Millionen von Corona-Infizierten. Ausgehend von der aktuellen Lage bestehe die Möglichkeit, dass 100.000 bis 200.000 Menschen in Folge der Pandemie sterben, sagte Fauci dem TV-Sender CNN.

Der angesehene Virologe machte zugleich jedoch deutlich, dass er wenig von Prognosen halte, da man leicht falsch liegen und die Leute in die Irre führen könne. "Schauen Sie sich einfach die Daten an (...) und sorgen Sie sich nicht um diese Worst-Case- und Best-Case-Szenarien", sagte Fauci. "Wir haben ein ernsthaftes Problem in New York, wir haben ein ernsthaftes Problem in New Orleans und wir werden ernsthafte Probleme in anderen Gebieten entwickeln."

Vorwürfe gegen Trump

Ebenfalls auf CNN warf die Demokratin Nancy Pelosi Präsident Donald Trump vor, sein anfängliches Leugnen der Corona-Krise habe zu Todesopfern geführt. "Während der Präsident herumhantiert, sterben Menschen, und wir müssen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen", sagte die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses.

Trotz der sich zuspitzenden Coronavirus-Krise in den USA hatte der US-Präsident vorerst auf eine weitreichende Abriegelung von Hotspots wie New York verzichtet. "Eine Quarantäne wird nicht notwendig sein", schrieb Trump auf Twitter. Zuvor hatte er Überlegungen geäußert, besonders betroffene Landesteile weitgehend abzuschotten.

Mit den noch nicht spruchreifen Aussagen handelte Trump sich prompt Kritik von den Gouverneuren der betroffenen Staaten ein. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, machte deutlich, nicht mit Trump über die Möglichkeit einer Quarantäne gesprochen zu haben, und äußerte Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer solchen Maßnahme aus Washington. "Das würde eine Kriegserklärung an die Staaten sein", sagte Cuomo.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. März 2020 um 23:00 Uhr.