Arbeitslose stehen für Unterstützung an | Bildquelle: AP

Folge der Coronakrise Der Dominoeffekt am US-Arbeitsmarkt

Stand: 30.04.2020 18:51 Uhr

Fast jeder Wirtschaftsbereich in den USA ist von Corona betroffen. Etwa 30 Millionen Menschen verloren ihren Job. Und die Spirale geht weiter: Wer nichts verdient, gibt nichts aus. Nur einige Branchen boomen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Rund 30 Millionen US-Amerikaner haben sich arbeitslos gemeldet, seit die Coronakrise die Wirtschaft weitgehend zum Stillstand gebracht hat. Damit ist der seit über 50 Jahren aktivste Arbeitsmarkt abrupt zusammengebrochen. So schnell wie nicht mehr seit der großen Depression vor 90 Jahren, sagt Kevin Hassett, Wirtschaftsberater im Weißen Haus.

Getroffen hat es so gut wie alle Bereiche der Wirtschaft. Dabei wurde gleichzeitig ein Dominoeffekt in Gang gesetzt. Wer nichts verdient, gibt nichts aus, was den nächsten Dienstleister in Schwierigkeiten bringt.

Arbeitslos, freigestellt - ein großer Unterschied

Es sei ja auch nicht so, dass einfach eine Pause gemacht würde, und wenn alles wieder geöffnet ist, dann sei alles wieder gut, sagt Ian Shephardson von der Unternehmensberatung Pantheon in einem Fernsehinterview. Das Geld, das jetzt nicht ausgegeben werde, gäben die Leute dann ja später nicht zweifach, dreifach aus.

Restaurants, Einzelhandel, produzierendes Gewerbe, die allermeisten haben ihre Kosten sofort zurückgefahren, indem sie ihre Mitarbeiter entlassen oder freigestellt haben. Ein wichtiger Unterschied, denn wer nur freigestellt ist, bekommt zwar kein Geld, bleibt angestellt und behält zum Beispiel seine Krankenversicherung. Das große staatliche Krisenpaket hat mit dafür gesorgt, denn viele Kredite bekommen Unternehmen nur, wenn sie die Mitarbeiter behalten.

Airlines kündigen Massenentlassungen an

Wer arbeitslos oder freigestellt wird, bekommt einen Zuschuss, sodass die meisten ein paar Monate überbrücken können. Aber das Geld ist begrenzt, und die Arbeitslosenzahlen steigen weiter.

Krankenhäuser entlassen Personal, weil Nicht-Corona-Patienten fehlen. Fluggesellschaften kündigen Massenentlassungen an. Zudem steht die für einige US-Bundesstaaten essentielle Tourismusindustrie vor einer Insolvenzwelle.

Prognose: Pleite für 42 Prozent der Touranbieter

Richard Humphrey bietet Stadtrundfahrten in New York City an. Seine Prognose lautet: "Wenn das noch drei Monate so weitergeht, werden 42 Prozent der Touranbieter untergehen."

Eine Million Gäste hatte sein Unternehmen im vergangenen Jahr. Wann wieder Touristen in die Stadt strömen und sich in seine Busse setzen werden - völlig unklar.

Ein anderes Beispiel: Florida, Weltzentrum für Kreuzfahrten. Allein dort hängen mehrere Hunderttausend Jobs von dieser Industrie ab. Niemand weiß, ob es jemals wieder Kreuzfahrten geben wird.

Trumps Berater blickt auf boomende Branchen

Fragt man Donald Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro, zeichnet der ein anderes Bild:

"Walmart boomt, Amazon. Einige Wirtschaftszweige boomen, haben genau das richtige Angebot für diese Zeit. Versender zum Beispiel, Biotechnologie, Hersteller von Schutzmasken und -kleidung."

Aber, da ist sich Navarro sicher, das werde auch die Wirtschaftsstruktur und damit den Arbeitsmarkt verändern. "Wir sehen das schon, wir werden innovativer. Und damit am Ende stärker."

Das heißt nichts anderes, als dass nach der Krise nichts wie vor der Krise sein wird. Diejenigen verschwinden, die sich nicht haben anpassen können. Manches, was selbstverständlich war, wird nicht mehr gefragt sein, andere Produkte und Dienstleistungen boomen. Und das bedeutet auch, dass nur die einen neuen Job finden werden, die sich ebenfalls anpassen können.

Der US-Arbeitsmarkt in Zeiten der Corona-Krise
Arthur Landwehr, ARD Washington
30.04.2020 17:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. April 2020 um 16:00 Uhr.

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