Corona-Schnelltests in Israel | Bildquelle: ARD/ Benjamin Hammer

Urlaub ohne Corona? Israel setzt auf Tourismus-"Inseln"

Stand: 05.12.2020 18:53 Uhr

Die Pandemie hat zwei Tourismus-Zentren in Israel schwer getroffen: Das Tote Meer und die Stadt Eilat. Die Lösung: Gäste dürfen die beiden Zonen nur betreten, wenn sie einen negativen PCR-Test vorweisen können.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Die Hotelgäste müssen in ihren Heimatstädten einen PCR-Test machen. Bis zu 72 Stunden vor der Anreise. Nur wenn der Test negativ ist, bekommen sie an den Zufahrtsstraßen an Kontrollposten ein Armbändchen. Damit dürfen sie die "Grünen Inseln" betreten: Eilat am Roten Meer und die Gegend um Ein Bokek am Toten Meer.

Hinter dem Projekt steht unter anderem Nir Wanger, der Landrat der Region am Toten Meer: "Die praktisch einzige Möglichkeit, Israel zu verlassen, ist über den Flughafen. Und es gibt im Moment nur sehr wenige Flüge. Die Israelis sehnen sich aber nach ein bisschen Urlaub. Das sind ja keine einfachen Zeiten. Und gerade jetzt brauchen die Menschen etwas Entspannung. Ein Gebiet, das 'coronafrei' ist. Damit sie neue Energie tanken können", sagte er.

Natürlich geht es der Politik nicht nur darum, den Israelis etwas Gutes zu tun. Die Orte am Roten und Toten Meer sind extrem abhängig vom Tourismus. Die Hotels mussten in diesem Jahr immer wieder schließen - wochenlang. Die Arbeitslosigkeit stieg deutlich an. Etwa 6000 Menschen sind allein in der Hotelzone am Toten Meer beschäftigt. Aber kann ein Gebiet, in das jeden Tag tausende Menschen strömen, überhaupt "coronafrei" gehalten werden? In einem Hotel wurden - kurz nach dem Start des Projektes - zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Das Hotel musste vorübergehend schließen.

Der Badeort Eilat in Israel | Bildquelle: dpa
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Eilat im Oktober: Der Badeort ist von der Corona-Krise schwer getroffen.

Kritik an Schnelltests

"Wir haben nie damit gerechnet, dass es in unserem Gebiet kein Covid-19 mehr gibt. Unsere Tests sollen aber möglichst verhindern, dass sie in die Grüne Zone gelangen", sagt Wanger. Kritik gibt es auch an dem Schnelltests für Mitarbeiter und Anwohnerinnen. Die sind ungenauer als PCR-Tests. Das Virus - befürchten Kritiker - könne so unbemerkt in die vermeintlich grünen Zonen gelangen. Der Landrat entgegnet, dass die Mitarbeiter mehrfach pro Woche getestet würden. Das erhöhe die Genauigkeit.

In der Lobby der LOT-Hotels tragen alle Gäste und alle Mitarbeiter eine Maske. Denn die Abstands- und Maskenregeln gelten auch in der grünen Zone - Corona-Tests hin oder her. Ein Minus von mehr als 50 Prozent werde das Hotel im Jahr der Corona-Pandemie verzeichnen, sagt die Direktorin. Und im Moment fehlten die Gäste aus dem Ausland. Denn die lässt Israel weiterhin nicht ins Land.

Totes Meer | Bildquelle: ARD/ Benjamin Hammer
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Nur wenige Touristen erholen sich am Toten Meer - trotz israelischer "Insellösung"

"Das ist sehr trostlos"

Ein Mann - Ende 60 - ist Stammgast im Hotel. So richtig glücklich wirkt er nicht. Ihm fehlt die Nähe zu anderen Hotelgästen, sagt er: "Das ist nicht einfach hier. Die Gegend hier ist tot. Ich weiß: Wir sind am Toten Meer. Aber ich meine wirklich: Ausgestorben. Kaum Menschen, kaum Touristen, keine Veranstaltungen. Das ist sehr trostlos."

Andere Gäste sehen die Dinge etwas entspannter. Hauptsache Urlaub. Hauptsache etwas Erholung. Die grünen Tourismus-"Inseln" könnten weltweit Modelcharakter haben. Doch das israelische Pilotprojekt steht - wenige Wochen nach dem Start - möglicherweise schon wieder vor dem Aus. Denn sollte sich die Corona-Lage in Israel erneut verschlechtern, müssen die Hotels in Eilat und am Toten Meer wieder schließen. So sieht es der Beschluss des israelischen Parlaments vor, Und die Zahl der neu nachgewiesenen Corona-Infektionen in Israel ist zuletzt wieder deutlich gestiegen.

Urlaub ohne Corona? Israel setzt auf Tourismus-„Inseln“
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
05.12.2020 18:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 05. Dezember 2020 um 21:40 Uhr und 23:40 Uhr.

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