UNICEF | dpa

75 Jahre UNICEF Bedingungslos an der Seite der Kinder

Stand: 11.12.2021 10:41 Uhr

Im kriegszerstörten Europa litten Hunderttausende Kinder an Hunger und Krankheiten. Am 11. Dezember 1946 gründeten die UN ihr Kinderhilfswerk, um die Not zu lindern. Seitdem setzt sich UNICEF weltweit für Kinder ein.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Wer als Kind im zerstörten Nachkriegs-Deutschland mit UNICEF in Kontakt kam, erinnert sich vor allem noch an eines: Lebertran. Ende 1948 schickte das Kinderhilfswerk einen ersten Frachter von New York nach Hamburg - bis unter die Luken gefüllt mit dem vitaminreichen Öl aus Kabeljau- und Dorschleber. Bis 1952 insgesamt 416 Tonnen. Dabei war es ganz und gar nicht selbstverständlich, dass die UNICEF-Hilfe auch in dem Land ankam, das den Zweiten Weltkrieg angezettelt hatte. Aber schließlich siegte der Grundsatz, der bis heute gilt: Die bedingungslose Parteinahme für alle Kinder weltweit.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Dem polnisch-französischen Bakteriologen Ludwig Rajchman ist es zu verdanken, dass das Kinderhilfswerk überhaupt gegründet wurde - am 11. Dezember 1946. Rajchman hatte sich schon bei der Vorläuferorganisation UNRRA engagiert. Doch es dauerte noch einmal bis 1953, bis UNICEF eine dauerhafte Organisation der Vereinten Nationen wurde.

Deutsches UNICEF-Komitee 1953 gegründet

Die US-Präsidentenwitwe Eleanor Roosevelt hatte sich besonders dafür stark gemacht. Das war auch der Zeitpunkt, an dem UNICEF seine Arbeit neu ausrichtete. Hin zu den afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Entwicklungsländern. Die ehemals leidenden Staaten Europa waren jetzt Geberländer. So wie die Bundesrepublik, wo im Juni 1953 das nationale UNICEF-Komitee gegründet wurde.

"Zwei Drittel aller Kinder auf dieser Welt leben in Not und Elend. Sollten wir nicht versuchen, unsere Herzen aufzuschließen für das Elend der Kinder in den Entwicklungsländern? Das so fern scheint und doch so nah ist, seit die Welt so klein geworden ist", warb die erste Vorsitzende Etta Gräfin von Waldersee im deutschen Fernsehen. Bis heute finanziert sich UNICEF ausschließlich durch private Spenden und freiwillige Beiträge nationaler Regierungen. Und hilft damit Millionen Kindern weltweit - egal welcher Hautfarbe, Religion und unter welchem politischen System sie leben. 1965 bekam UNICEF dafür den Friedensnobelpreis.

Henry Labouisse führte das Kinderhilfswerk bis 1979. Sein Grundsatz: Das Wohlergehen der Kinder von heute ist untrennbar mit dem Frieden der Welt von morgen verbunden. Und dazu gehören nicht nur Nahrungsmittelhilfe und Impfkampagnen, sondern auch Bildungsprogramme - und Kinderrechte.

Meilenstein Kinderrechtskonvention

1989 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention. Darin verankert: Das Recht auf Überleben und Schulbildung und der Schutz vor Gewalt und Missbrauch. Einer von vielen Meilensteinen in der 75-jährigen Geschichte, sagt Natascha Paddison von UNICEF. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr gibt es schwere Rückschläge - vor allem durch die Folgen der Corona-Pandemie.


"Die Zahl der Kinder, die hungern, die nicht zur Schule gehen können, die in Armut leben, missbraucht oder in Ehen gezwungen werden, steigt. Während die Zahl der Kinder mit Zugang zu Gesundheitsversorgung, zu Routine-Impfstoffen, gesundem Essen und Grundversorgung zurückgeht", sagt Paddison.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2021 um 08:24 Uhr.