Der iranische UN-Botschafter, Majid Takht-Ravanchi. | Bildquelle: REUTERS

UN-Sicherheitsrat zu Iran-Konflikt Schlafwandeln in den Krieg

Stand: 27.06.2019 03:18 Uhr

Der Iran will sich nicht mehr an das Atomabkommen halten. Das Säbelrasseln zwischen Teheran und Washington beunruhigt den UN-Sicherheitsrat zutiefst - das Gremium warnt vor einem schleichenden Krieg.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Schlafwandelt die Welt in einen Krieg am Golf? Frankreichs UN-Botschafter Francois Delattre scheint genau das zu fürchten und sagte im Sicherheitsrat Richtung Iran und USA: "Lassen Sie uns nach einer ausschließlich politischen Lösung suchen." 

Aber die politische Lösung scheint Eskalation zu heißen. Auch der iranische Botschafter Majid Ravanchi saß im Sicherheitsrat und kündigte erneut und offen an, der Iran werde ab heute gegen bestimmte Auflagen des 2015 gefassten Atomabkommens verstoßen: "Der Iran allein kann nicht, will nicht und wird nicht allein alle Lasten dieses Abkommens tragen."

Verstoß gegen Atomabkommen ab heute

Heißt konkret: Obschon zuvor die Atomenergiebehörde dem Iran zum wiederholten Mal bestätigte, dass Teheran bis heute alle Auflagen eingehalten hat, will der Iran die laut Abkommen zulässige Menge niedrig angereicherten Urans überschreiten. Die Vereinbarung mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland besagt, dass der Iran maximal 300 Kilogramm auf 3,67 Prozent angereichertes Uran besitzen darf. Der Rest müsse exportiert werden.

Die USA allerdings hatten nach ihrer einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens im Mai 2018 die Ausfuhr von Uran erschwert und einen offenen Dialog vom Iran gefordert. Offener Dialog? Ravanchi zählte auf, was das laut Teheran bedeute:

"Es bedeutet die Bestrafung einer ganzen Nation, es bedeutet Wirtschaftsterrorismus, militärisches Abenteurertum, es bedeutet, Spionagedrohnen in den iranischen Luftraum zu schicken."

Gegenseitige Beschuldigungen

Der geschäftsführende amerikanische UN-Botschafter Jonathan Cohen wiederum zählte Irans Verstöße auf. Waffenlieferungen an die Hamas, in den Jemen. Verbotene Raketentests mit Flugkörpern, die Atomsprengköpfe tragen könnten. Das rücksichtslose Verhalten des Landes dürfe nicht kleingeredet werden, nur um einen Vertrag zu retten, der Teheran nicht vom Bau einer Atomwaffe abhalten werde.

Die britische Botschafterin Karen Pierce, der deutsche UN-Vertreter Christoph Heusgen - alle appellierten an Teheran, flehten fast: Halten sie sich an den Vertrag. Draußen, nach der Sitzung des Sicherheitsrates, standen dann alle Europäer zusammen, wandten sich, in Person der polnischen UN-Botschafterin, direkt an den Iran:

"Wir fordern den Iran dringend auf, alle Verpflichtungen einzuhalten und von Eskalationsschritten abzusehen."

Ein Appell nur. Ausgang offen. Teherans Botschafter Ravanchi war da längst gegangen.

Schlafwandeln in den Krieg? Iran kündigt Verstoß gegen Atomabkommens an
Georg Schwarte, ARD New York
27.06.2019 05:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juni 2019 um 23:35 Uhr.

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