Kinder sitzen in einem Zelt im einem ostsyrischen Flüchtlingslager | Bildquelle: AFP

UN-Bericht Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind

Stand: 18.09.2018 07:30 Uhr

Die weltweite Kindersterblichkeit ist auf einem neuen Tiefstand, doch noch immer erleben Millionen Kinder ihren fünften Geburtstag nicht. Viele der Todesfälle könnten mit einfachen Mitteln verhindert werden, sagt Unicef.

Alle fünf Sekunden ist einem UN-Bericht zufolge im vergangenen Jahr auf der Welt ein Kind unter 15 Jahren gestorben. Insgesamt seien das 6,3 Millionen Kinder gewesen. 5,4 Millionen davon seien jünger als fünf Jahre gewesen. Bei rund der Hälfte aller Todesfälle habe es sich um neugeborene Babys gehandelt.

Unicef: Kindersterblichkeit sinkt zu langsam

Der vom UN-Kinderhilfswerk Unicef, der Weltgesundheitsorganisation WHO, der Weltbank und der für Bevölkerung zuständigen Abteilung der UN gemeinsam erarbeitete Bericht führt aber auch Fortschritte auf: 1990 lag die Zahl der Kinder unter fünf Jahren, die weltweit starben, noch bei 12,6 Millionen.

Die weltweite Kindersterblichkeit sinke seit Jahren kontinuierlich, erklärte Unicef. Trotzdem gehe der Fortschritt deutlich zu langsam voran. "Ohne verstärkte Maßnahmen werden zwischen heute und dem Jahr 2030 weitere 56 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben - die Hälfte von ihnen Neugeborene", sagte Laurence Chandy, Direktor für Daten, Recherche und Politik des Kinderhilfswerkes. Die Überlebenschance von Millionen Kindern hänge noch immer davon ab, in welchem Land und unter welchen Umständen sie geboren werden.

Ein Junge in der Demokratischen Republik Kongo bekommt eine Ebola-Impfung. | Bildquelle: UNICEF/MARK NAFTALIN HANDOUT/EPA
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Laut Unicef könnten viele Todesfälle mit Medikamenten oder Zugang zu sauberem Wasser verhindert werden.

Kein Zugang zu Medikamenten oder sauberem Wasser

Jeder zweite Todesfall bei den unter fünfjährigen Kindern passierte demnach in Afrika südlich der Sahara, fast jeder dritte in Südasien. Kinder und Jugendliche in ländlichen Regionen sind besonders gefährdet. Gleiches gilt für die Mädchen und Jungen, deren Mütter keine Schule besucht haben. Am höchsten ist die Kindersterblichkeit unter Kleinkindern in Somalia, im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik. Dort stirbt jedes achte Kind vor seinem fünften Lebensjahr - in Deutschland ist es eines von 250 Kindern.

Die häufigsten Todesursachen sind laut dem Bericht Komplikationen bei der Geburt, Lungenentzündungen, Neugeborenensepsis und Malaria. Bei älteren Mädchen und Jungen werden häufig tödliche Unfälle registriert, insbesondere Verkehrsunfälle. Für sie sei auch die Gefahr zu ertrinken hoch.

Die meisten Todesfälle hätten mit Medikamenten oder Zugang zu sauberem Wasser verhindert werden können, betonte Chandy. Auch einfache und kostengünstige Maßnahmen wie Moskitonetze sowie gut ausgestattete Geburtsstationen könnten die Kindersterblichkeit weiter senken.

Die Vereinten Nationen haben sich 17 "Ziele für nachhaltige Entwicklung" gesetzt. Im Rahmen dieser Ziele will die Weltgemeinschaft bis 2030 das Überleben von Neugeborenen und Kleinkindern weltweit sichern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 18. September 2018 um 11:00 Uhr.

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