Mann hält ein Klappmesser (gestellte Szene) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

UN-Bericht über Tötungsdelikte 50.000 Frauen von Angehörigen getötet

Stand: 08.07.2019 08:56 Uhr

Umgebracht vom Partner oder der eigenen Familie: Weltweit sterben rund 50.000 Frauen und Mädchen im Jahr durch solche Taten. Das zeigt ein UN-Bericht. Mit Blick auf alle Morde und Totschläge sind die meisten Opfer allerdings Männer.

Durch Mord und Totschlag sterben weltweit rund 464.000 Menschen jedes Jahr. Das geht aus einem Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien hervor, für den das Jahr 2017 betrachtet wurde. Es zeigt sich: Durch Tötungsdelikte starben sehr viel mehr Menschen als in allen bewaffneten Konflikten im selben Zeitraum. In diesen Konflikten verloren 89.000 Menschen ihr Leben.

Sehr auffällig sind die verschiedenen Opferzahlen zwischen Männern und Frauen: 81 Prozent der Ermordeten oder Getöteten waren Männer oder Jungen. Doch nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei den Tatverdächtigen liegen die Männer nach neuesten Schätzungen mit 90 Prozent sehr weit vor den Frauen.

Oft ermordet vom eigenen Partner

Auffällig bei den Frauen sind die Umstände, unter denen sie getötet werden. Von den rund 87.000 ermordeten oder totgeschlagenen Frauen im Jahr 2017 wurden rund 50.000 von ihrem eigenen Partner oder eigenen Familienangehörigen umgebracht. "Viele werden von ihren aktuellen oder früheren Partnern getötet, aber auch von Vätern, Brüdern, Müttern, Schwestern und anderen Familienmitgliedern wegen ihrer Rolle und ihres Rangs", stellt der Bericht fest.

Wenn es sich um Partner oder Ex-Partner handle, seien die Taten meist nicht spontan, sondern stünden am Ende einer langen Gewaltspirale. Unter den Motiven spielten Eifersucht und Angst vor der Trennung eine wichtige Rolle. Vergleichszahlen von 2012 legten nahe, dass die Zahl der Opfer leicht steige, hieß es.

Afrika für Frauen am gefährlichsten

Beim Vergleich der Kontinente fällt auf, dass sich die meisten Fälle tödlicher häuslicher Gewalt gegen Frauen in Asien abspielen. Dort verzeichnete die UN-Behörde im Jahr 2017 rund 20.000 von Partnern oder Familienangehörigen getötete Frauen und Mädchen. In Afrika wurden 19.000 Fälle gezählt, auf dem amerikanischen Kontinent 8000, in Europa 3000 und in Ozeanien 300.

Werden die jeweiligen Einwohnerzahlen der Regionen berücksichtigt, ist die Situation für die Frauen in Afrika am gefährlichsten, in Europa leben sie vergleichsweise sicher.

Nicht nur bei den Geschlechtern gibt es Unterschiede, sondern auch beim Alter. Am gefährdetsten sind dem Bericht zufolge Männer im Alter zwischen 15 und 29 Jahren.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags hieß es, dass Asien für Frauen am gefährlichsten sei. Das ist falsch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juli 2019 um 08:00 Uhr.

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