Sendungsbild

Ukraine-Konflikt Botschafter fordert deutsche Führungsrolle

Stand: 25.01.2022 00:21 Uhr

Deutschland soll beim Thema Waffenlieferungen an die Ukraine umdenken, forderte der Botschafter des Landes, Melnyk, in den tagesthemen. Von Kanzler Scholz erwartet er eine Führungsrolle in dem Konflikt.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat sich abermals dafür ausgesprochen, dass Deutschland seinem Land Waffen liefert.

"Es ist wichtig, dass die Diplomatie läuft - aber diese Diplomatie muss auch untermauert werden mit einer robusten Haltung und auch mit Abschreckungsmaßnahmen. Deswegen glauben wir, dass die Waffenlieferungen nach wie vor auf dem Tisch bleiben sollten", sagte er in den tagesthemen.

"Umdenken in Berlin"

Es sei wichtig, zu deeskalieren, unterstrich der Botschafter - aber man könne nie wissen, was der russische Präsident Wladimir Putin vorhabe. Deswegen solle Deutschland seine Blockadehaltung ablegen und anders argumentieren. "Angesichts dieser Bedrohungslage muss man umdenken in Berlin", fügte Melnyk hinzu.

Sein Land baue auf die Führungsrolle des neuen Bundeskanzlers - und dass sich Olaf Scholz dafür einsetze, auf höchster Ebene in Berlin ein Treffen im Rahmen des sogenannten Normandie-Formats "so schnell wie möglich ohne Vorbedingungen" einzuberufen. Er setze weiterhin Hoffnungen auf dieses Forum, dem die Ukraine, Russland, Deutschland und Frankreich angehören. "Deutschland sollte in diesen schwierigen Zeiten eine Führungsrolle spielen, auch im Normandie-Format ", forderte Melnyk.

Auf präventive Sanktionen setzen

Der ukrainische Botschafter begrüßte es, dass die EU Sanktionen gegen Russland vorbereitet - allerdings sollten diese aus seiner Sicht auch präventiv verhängt werden - und nicht erst nach einem möglichen Einmarsch. Auf diese Weise solle Putin genau davon abgehalten werden, so Melnyk.

Zugleich forderte der Botschafter eine Beitrittsperspektive seines Landes für die EU: "Das würde auch Putin nicht provozieren, das ist ein Wirtschaftsbündnis. Wir glauben, dass gerade jetzt aus Deutschland diese Akzente benötigt werden", so Melnyk weiter.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Januar 2022 um 22:40 Uhr.