Unter anderem in Haartrocknern sollen die Spycams versteckt gewesen sein.  | Bildquelle: AFP

Spycams in Südkorea 1600 Hotelgäste heimlich gefilmt

Stand: 21.03.2019 15:25 Uhr

Vier südkoreanischen Männern wird vorgeworfen, heimlich Hotelgäste gefilmt zu haben. Die Aufnahmen konnten gegen Bezahlung auf einer Webseite live gestreamt werden. In Südkorea ist das kein Einzelfall.

Mit winzigen Überwachungskameras sollen die Männer heimlich Videos aufgenommen haben, um sie im Internet zu Geld zu machen. Wie die Nationale Polizeibehörde Südkoreas mitteilte, sollen sie in 30 Hotels im zentralen und südöstlichen Teil des Landes sogenannte Spycams installiert haben. Rund 1600 Hotelgäste seien so gefilmt worden, ohne davon zu wissen.

Die Männer hatten den Angaben der Polizei zufolge damit rund sieben Millionen Won (5440 Euro) von zahlenden Mitgliedern einer Website eingenommen, auf der ein Livestream eingerichtet wurde.

Nach Berichten der Zeitung "The Korea Herald" hatten sie mehr als 800 illegale Aufnahmen an Kunden der Website verkauft. Sie hatte mehr als 4000 Mitglieder.

Auch in Steckdosenabdeckungen sollen Spycams angebracht worden sein. | Bildquelle: REUTERS
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Auch in Steckdosenabdeckungen sollen Spycams angebracht worden sein.

Kameras in Steckdosen und Fön-Halterungen installiert

Die zwei Hauptverdächtigen wurden festgenommen. Sie könnten zu bis zu sieben Jahren Haft verurteilt werden. Einem der beiden wird vorgeworfen, die Webseite eingerichtet, dem anderen, sich als Hotelgast ausgegeben zu haben und so die Kameras installiert zu haben. Die kleinen Überwachungskameras seien in Fernsehempfängern, Steckdosen oder Fön-Halterungen installiert worden.

Die zwei weiteren Verdächtigen sollen am Kauf der Kameras beteiligt gewesen sein und bei der Finanzierung der Seite geholfen haben.

In Südkorea kein Einzelfall

Die Verbreitung von illegalen Videos mit versteckter Kamera ist in Südkorea ein ernsthaftes Problem. Die meist männlichen Täter platzieren die Kameras dabei beispielsweise auf öffentlichen Toiletten oder in Schulen.

2017 wurden in Südkorea mehr als 5400 Verdächtige wegen des "Molka" genannten Phänomens festgenommen. Weniger als zwei Prozent der Täter wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Im vergangenen Jahr waren Tausende mit der Forderung auf die Straße gegangen, dass die Regierung strenger gegen solche Aktivitäten vorgehen solle.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 21. März 2019 in den Nachrichten innerhalb der Sendung "Grünstreifen" von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr.

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