Die "San Juan" im Hafen von Buenos Aires (Archivbild von 2014) | Bildquelle: dpa

U-Boot "San Juan" Ferrostaal wehrt sich gegen Kritik

Stand: 13.12.2017 16:35 Uhr

Mitte November verschwand das argentinische U-Boot "San Juan". Bei der Suche nach der Ursache geriet auch die Firma Ferrostaal in die Kritik, die Batterie-Ersatzteile für die Sanierung des U-Boots lieferte. Das Unternehmen wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.

Der deutsche Industriedienstleister Ferrostaal hat Spekulationen über Korruption bei den Aufträgen zur Sanierung des verschollenen argentinischen U-Boots ARA "San Juan" zurückgewiesen. Das Essener Unternehmen ging seinerseits in die Offensive und griff das argentinische Verteidigungsministerium an.

Es sei unseriös, öffentlich darüber zu spekulieren, ob einzelne Ersatzteile, deren Einbau und Wartung, Bedienfehler oder gänzlich andere Umstände das Unglück verursacht hätten, bevor das U-Boot geborgen sei, erklärte Ferrostaal. "Dies gilt insbesondere für die Mitteilungen des argentinischen Verteidigungsministeriums, das selbst die volle Verantwortung für Einbau und Wartung der Batterie-Ersatzteile trägt."

Kurzschluss in den Bug-Batterien löste Feuer aus

Das U-Boot mit 44 Menschen an Bord ist seit einem Monat verschollen. Meeressonden hatten eine Explosion an Bord registriert. Zweieinhalb Stunden zuvor hatte die Besatzung in einer letzten Verbindung über einen angeblich kontrollierten Schwelbrand in den Batterien des elektrisch angetriebenen U-Boots berichtet.

Dieser Brand soll nach einem Kurzschluss in den Bug-Batterien entstanden sein, der durch über den Schnorchel eingedrungenes Wasser ausgelöst worden war.

Das argentinische U-Boot "ARA San Juan" | Bildquelle: REUTERS
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Ein Kurzschluss soll an Bord des U-Boots "ARA San Juan" - hier ein Archivbild aus dem Jahr 2014 - eine Explosion verursacht haben.

Ferrostaal: Argentinische Marine tauschte Batteriezellen selbst aus

Das U-Boot war 2011 generalüberholt worden. Die Batteriezellen wurden bei deutschen Unternehmen bestellt. Ferrostaal erklärte, es habe 2005 einen Vertrag über die Lieferung von Ersatzteilen und technischer Unterstützungsdienstleistungen für die Batterien vermittelt. Lieferantin und Vertragspartnerin sei aber die Hawker GmbH aus Hagen, die bereits beim Bau der "San Juan" in Deutschland 1983 die Batterien geliefert habe.

Um Kosten zu sparen, sei nach Informationen von Ferrostaal auf Wunsch der argentinischen Marine kein vollständiger Austausch der Batterien, sondern lediglich ein Austausch der einzelnen Batteriezellen erfolgt. Zudem sei der Austausch von der Marine weitgehend eigenständig auf der eigenen Werft "Tandanor" durchgeführt worden.

Mangelhafte Dokumentation

Von einem angeblichen Korruptionsverdacht und von angeblichen Qualitätsmängeln bei den aus Deutschland gelieferten Komponenten habe Ferrostaal erstmals aus argentinischen Presseberichten gehört, die nach der Havarie, also zwölf Jahre nach der Vermittlung des Liefervertrages mit der Hawker GmbH, veröffentlicht wurden, erklärte Ferrostaal weiter.

Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im argentinischen Parlament, Cornelia Schmidt-Liermann, hatte vergangene Woche schriftlich bei der Bundesregierung angefragt, ob deutsche Techniker die Neuausstattung der 964 Batterien des U-Boots vor Ort überwacht hätten. Offenbar sei nicht ausreichend dokumentiert worden, welche Arbeiten die deutschen Firmen genau ausgeführt haben.

Korruptionsvorwürfe aus dem Parlament

Zugleich warf Schmidt-Liermann den Korruptionsverdacht bei den Aufträgen zur U-Boot-Sanierung wieder auf. "Es besteht der Verdacht, dass Bestechungsgeld geflossen ist bei der Reparatur der "San Juan" und dass deutsche Unternehmen involviert waren", sagte die Abgeordnete.

Eine Korruptionsanzeige war bereits 2010 von einem Unteroffizier vor Gericht gebracht, aber von der Justiz eingefroren worden. Die für die Ermittlung der Ursachen des U-Boot-Untergangs zuständige Richterin, Marta Yáñez, blieb vorsichtig. Sie erklärte, die Untersuchungen würden mehrere Monate andauern, es habe aber "schwere Fehler" bei der Informationsvermittlung gegeben. Sie forderte auch die Weiterleitung der Akten der Anzeige von 2010 an.

Inwieweit die sieben Jahre zurückliegende Generalüberholung der "San Juan" mit der mutmaßlichen Panne eines Schnorchelventils in Zusammenhang steht, ist noch nicht geklärt. Angehörige der Besatzung wiesen auf angebliche frühere Pannen hin, die nicht ausreichend beachtet worden seien.

Über dieses Thema berichtete BR Rundschau am 09. Dezember 2017 um 16:00 Uhr.

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