Rauch steht über der Stadt Saraqib in der Provinz Idlib. | Bildquelle: AFP

Angriff auf türkische Soldaten Türkei fordert NATO-Hilfe - und droht

Stand: 28.02.2020 08:48 Uhr

Ein Angriff auf türkische Soldaten in Syrien hat den Konflikt zwischen Ankara und dem Assad-Regime verschärft. Auf Drängen der Türkei berief die NATO eine Sondersitzung ein. Ankara droht mit einer Grenzöffnung für Flüchtlinge.

Der Konflikt zwischen der Türkei und der syrischen Armee ist eskaliert. Nach einem Luftangriff auf türkische Soldaten in der nordsyrischen Provinz Idlib mit mindestens 33 Toten fordert Ankara nun Beistand von der NATO und der internationalen Gemeinschaft. "Wir rufen die gesamte internationale Gesellschaft dazu auf, ihre Pflichten zu erfüllen", hieß es in einer Stellungnahme des Kommunikationsdirektors von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Bei einem Luftangriff in Idlib werden 33 türkische Soldaten getötet
tagesschau 09:00 Uhr, 28.02.2020

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Der Sprecher von Erdogans Regierungspartei AKP, Ömer Celik, sagte im Fernsehen, die NATO müsse an der Seite der Türkei stehen. Gleichzeitig drohte er der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge kaum verhohlen damit, den Flüchtlingen im Land die Grenzen zu öffnen: "Unsere Flüchtlingspolitik ist dieselbe, aber hier haben wir eine Situation. Wir können die Flüchtlinge nicht mehr halten", sagte er.

Türkei fliegt Vergeltungsangriffe

Die Türkei macht für den Tod der Soldaten einen Luftangriff des syrischen Militärs verantwortlich. Als Vergeltung griff die türkische Armee in der Nacht Stellungen der syrischen Regierungstruppen an. In der Stellungnahme hieß es, die Türkei greife als Reaktion mit Boden- und Luftkräften "alle bekannten Ziele des Regimes" an. Celik sagte: "Das mörderische Regime und die, die es ermutigen, werden den Preis für diese Niedertracht auf die härteste Weise bezahlen." Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay sagte laut Anadolu, der syrische Präsident Bashar al-Assad werde für den Luftangriff einen hohen Preis bezahlen. Assad werde als Kriegsverbrecher in die Geschichte eingehen.

Treffen des NATO-Nordatlantikrats

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief die Konfliktparteien zur Deeskalation auf. Sie müssten die "gefährliche Lage" entschärfen und eine weitere Verschlimmerung der "schrecklichen humanitären Lage" in der Region vermeiden, sagte Stoltenberg nach einem Telefonat mit dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu.

Der Nordatlantikrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der NATO, kommt am Vormittag zu einem Sondertreffen zusammen. Die Türkei habe um dieses Treffen auf Grundlage von Artikel 4 gebeten, teilte das Militärbündnis mit. Artikel 4 besagt, dass jedes Mitglied jederzeit um Beratungen bitten kann, wenn es die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht sieht. Der eigentliche Bündnisfall wird in Artikel 5 geregelt.

Der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, forderte einen sofortigen Waffenstillstand. "Ohne dringendes Handeln wächst die Gefahr einer noch größeren Eskalation von Stunde zu Stunde". Es gebe keine militärische Lösung.

Die EU rief zu einem sofortigen Ende der Eskalation auf. Es gebe das Risiko einer "größeren, offenen internationalen militärischen Konfrontation", schrieb der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell auf Twitter. Er stellte "alle nötigen Maßnahmen" in Aussicht, um die Sicherheitsinteressen der EU zu schützen.

Russland entsendet Kriegsschiffe

Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte, man stehe zum NATO-Verbündeten Türkei und fordere einen sofortigen Stopp der verabscheuungswürdigen Offensive des Assad-Regimes, Russlands und der vom Iran unterstützten Streitkräfte. Es würden Optionen geprüft, wie der Türkei am besten geholfen werden könne.

Russland entsendet laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax zwei mit Marschflugkörpern bestückte Kriegsschiffe ins Mittelmeer zur syrischen Küste.

Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA, die getöteten türkischen Soldaten hätten nicht in dem Gebiet sein sollen, das am Donnerstag angegriffen worden sei. Ankara habe Moskau nicht vorab über die Position der türkischen Soldaten informiert. Das Verteidigungsministerium betonte aber auch, dass russische Kampfjets nicht an dem Angriff beteiligt gewesen seien. Man habe alles getan, um sicherzustellen, dass die syrische Armee ihren Beschuss einstelle und Truppen das Gebiet verlassen könnten.

Mindestens 36 verletzte Soldaten

Bei dem Luftangriff mit 33 Toten handelt es sich um den folgenschwersten, den türkische Truppen bislang an einem Tag in dem Konflikt in Syrien verzeichnet haben. Provinzgouverneur Rahmi Dogan sagte, 36 Verletzte würden in Krankenhäusern behandelt.

In den vergangenen Tagen hatte die türkische Regierung Tausende Soldaten nach Idlib geschickt, um die Offensive der syrischen Regierung aufzuhalten. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung hatte sie ein Abkommen getroffen, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten und hatte dort Beobachtungsposten eingerichtet.

Eigentlich gilt auch eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war das syrische Militär mit russischer Unterstützung aber weiter in dem Gebiet vorgerückt. Hunderttausende sind vor der Gewalt auf der Flucht.

33 türkische Soldaten bei Luftangriff in Idlib getötet
Thomas Bormann, ARD Istanbul
28.02.2020 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2020 um 09:00 Uhr.

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