Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: dpa

Libyen-Konflikt Putin und Erdogan fordern Waffenruhe

Stand: 08.01.2020 16:48 Uhr

In Libyen unterstützen Putin und Erdogan unterschiedliche Konfliktparteien. Bei der Eröffnung einer russisch-türkischen Pipeline demonstrierten sie aber Einigkeit - und riefen zur Waffenruhe in dem Konflikt auf.

Die Türkei und Russland haben zu einer Waffenruhe im nordafrikanischen Krisenstaat Libyen aufgerufen. Die Feuerpause solle um Mitternacht in der Nacht zum Sonntag in Kraft treten, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einer Pressekonferenz mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Darauf hätten sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Kreml-Chef Wladimir Putin bei ihrem Treffen in Istanbul verständigt.

Lawrow zufolge "sprachen sich die Präsidenten im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten Tage entschieden dafür aus, alle Probleme im Persischen Golf und in der gesamten Region ausschließlich auf friedlichem Wege und im Einklang mit dem Völkerrecht zu lösen".

Vieraugengespräch zwischen Putin und Erdogan

Anlässlich der Einweihung der russisch-türkischen Erdgas-Pipeline TurkStream hatte in Istanbul ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Putin und Erdogan stattgefunden. Es habe rund eineinhalb Stunden gedauert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Aus dem Kreml hatte es zuvor geheißen, dass die Krisen in Libyen und Syrien auf der Agenda stünden. In beiden Ländern unterstützen Russland und die Türkei unterschiedliche Konfliktparteien. Beim Festakt zu der Eröffnung der Pipeline sagte Erdogan: "Wir haben nicht zugelassen, dass die Meinungsverschiedenheiten der letzten Zeit unsere gegenseitigen Interessen blockieren."

In Libyen steht die international anerkannte Regierung unter Druck. Denn der abtrünnige General Haftar hat eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet, und Russland unterstützt ihn. Erdogan hatte im Herbst mit der Regierung in Tripolis ein Abkommen über Seegrenzen geschlossen, dadurch will er sich Bodenschätze im Mittelmeer sichern. Die Türkei hat inzwischen erste Truppen zur Unterstützung der Regierung in Tripolis entsandt.

Erdogan: "Win-Win-Zusammenarbeit"

Bei der Eröffnung der Pipeline betonten Putin und Erdogan die gute Zusammenarbeit ihrer Länder. Die Leitung sei "ein Projekt von historischer Dimension", sagte Erdogan in einer vom türkischen Fernsehen live übertragenen Rede. Er sprach von einer "Win-Win-Zusammenarbeit", von der beide Seiten profitierten.

Putin sagte, die Pipeline werde dabei helfen, die Energiesicherheit in ganz Europa zu verbessern. "Ich bin zuversichtlich, dass Russland und die Türkei in Zukunft viele weitere gemeinsame Projekte (...) umsetzen werden." Auch Erdogan kündigte weitere "Projekte und neue Erfolge" an: "Unser Ziel ist, unser Land zu einem globalen Energiezentrum zu machen."

Die Karte zeigt die "TurkStream-Pipeline" im Schwarzen Meer.
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Das russisch-türkische Erdgas-Pipeline-Projekt TurkStream ist für die Türkei auch ein politischer Erfolg.

Die Türkei ist einer der größten Abnehmer für russisches Erdgas. Die rund 930 Kilometer lange Leitung durch das Schwarze Meer soll das Land jährlich mit bis zu 15,75 Milliarden Kubikmetern Gas aus Russland versorgen. Ein zweiter Teil der Pipeline soll die gleiche Menge Gas in den Süden und Südosten Europas bringen. TurkStream ist ebenso wie die geplante Pipeline Nord Stream 2, die russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren soll und damit ebenfalls die Ukraine umgeht, international heftig umstritten. Gegen an beiden Pipelineprojekten beteiligte Firmen hatten die USA kürzlich Sanktionen verhängt.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Januar 2020 um 11:45 Uhr.

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