Die Flaggen Deutschlands und der Türkei.  | Bildquelle: dpa

Türkei Haftbefehl gegen Deutsch-Türken

Stand: 18.04.2018 16:14 Uhr

Erneut hat die Türkei einen Haftbefehl gegen einen deutsch-türkischen Journalisten erlassen. Das bestätigte seine Anwältin. Ihm wird Propaganda vorgeworfen. Reporter ohne Grenzen rechnet mit einer langen Inhaftierung.

In der Türkei ist gegen einen weiteren deutschen Staatsbürger Untersuchungshaft verhängt worden. Das Auswärtige Amt bestätigte die Inhaftierung des Journalisten Adil Demirci in der Türkei. Die Bundesregierung habe "seit gestern Kenntnis von der Verhängung der Untersuchungshaft", erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums.

Das deutsche Generalkonsulat in Istanbul versuche derzeit, in Kontakt mit Demirci zu treten, um ihn konsularisch betreuen zu können, erklärte die Außenamtssprecherin. "Wir haben eine Besuchserlaubnis beantragt".

Vorwurf Terrorpropaganda

Demirci sei am Dienstag in Istanbul unter anderem wegen Terrorpropaganda in Untersuchungshaft genommen worden, sagte seine Anwältin Gülhan Kaya und bestätigte damit einen Bericht der linken Nachrichtenagentur Etha.

Dem Journalisten wird unter anderem Terrorpropaganda vorgeworfen, meldete die linke türkische Agentur Etha, für die Demirci nach deren Angaben arbeitet.

Die bis zum Dezember in der Türkei inhaftierte Journalistin Mesale Tolu hatte am Freitag via Twitter mitgeteilt, dass Demirci und zwei weitere Mitarbeiter der Etha in der Nacht zu Freitag festgenommen worden seien.

Nach Tolus Angaben ist Demirci Deutsch-Türke und hatte sich nur zum Urlaub in der Türkei aufgehalten. Auch Tolu arbeitete bis zu ihrer Inhaftierung für die Etha. Sie war im Dezember aus der U-Haft entlassen worden, darf die Türkei aber nicht verlassen.

Reporter ohne Grenzen fordert Freilassung

Reporter ohne Grenzen forderte die Freilassung des Deutsch-Türken. Geschäftsführer Christian Mihr sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Realistischerweise befürchte ich, dass Adil Demirci für Monate in Haft bleiben wird."

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland habe sich nach der Freilassung von Tolu und Deniz Yücel nicht wesentlich verbessert. Man könne maximal von einer "lockeren Entkrampfung" sprechen, so Mihr.

Noch fünf Bundesbürger in Haft

Nach Angaben des Außenministeriums sitzen derzeit fünf deutsche Staatsangehörige in türkischen Gefängnissen, bei denen man von politischen Gründen für die Haft ausgehen müsse. Bei einem davon handelt es sich um den 73-jährigen Doppelstaatsbürger Enver Altayli.

Der "Welt"-Korrespondent Yücel war im Februar nach mehr als einem Jahr aus der U-Haft entlassen worden. Er reiste anschließend nach Deutschland aus. Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor "willkürlichen" Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2018 um 06:00 Uhr.

Darstellung: