Menschen schwenken bei einer Gedenkveranstaltung anlässlich des zweiten Jahrestages des gescheiterten Putschversuchs türkische Flaggen, im Hintergrund ist die Camlica-Moschee zu sehen. | Bildquelle: dpa

Deutsch-türkisches Verhältnis Neue Festnahme und eine Entlassung

Stand: 21.09.2018 14:15 Uhr

Eine Woche vor dem Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan ist erneut ein Deutscher bei der Einreise in Istanbul festgenommen worden. Ein anderer Deutscher wurde derweil aus der Haft entlassen.

In der Türkei ist erneut ein deutscher Staatsbürger festgenommen worden. Bei dem Mann handelt es sich um Nurali Demir. Er ist der ehemalige Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Hamburg.

Die Organisation teilte mit, er sei am Freitagmorgen bei der Einreise in die Türkei in Polizeigewahrsam genommen worden. Seine Tochter sei mit ihrem Vater nach Istanbul gereist, um an einer Familienfeier teilzunehmen, berichten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". Dem 51-Jährigen werde "Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation" vorgeworfen. Man habe ihn in das Istanbuler Polizeipräsidium Bakirköy gebracht. Dort werde er verhört.

Die Glaubensgemeinschaft forderte die sofortige Freilassung von Demir. Die Festnahme sei "ein Schlag ins Gesicht der Demokratie und Meinungsfreiheit", teilte die Alevitische Gemeinde mit. Sie forderte die Bundesregierung auf, tätig zu werden. Die Alevitische Gemeinde Hamburg hat nach eigenen Angaben rund 700 Mitglieder kurdischer und türkischer Abstammung. Die Gruppierung gilt als entschiedener Gegner des türkischen Präsident Tayyip Recep Erdogan.

Das Auswärtige Amt war zu einer Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Auch von den türkischen Behörden gab es zunächst keine Informationen zu der Festnahme.

Ein Deutscher aus Haft entlassen

Unterdessen wurde ein deutscher Häftling in der Türkei freigelassen. Einzelheiten zu dem freigelassenen Mann nannte das Auswärtige Amt nicht. Er sei nach einem Urteilsspruch auf freien Fuß gesetzt worden, teilte eine Sprecherin mit.

Damit wird das deutsch-türkische Verhältnis vor dem Besuch von Erdogan am kommenden Donnerstag einerseits be-, andererseits entlastet.

Fethullah Gülen | Bildquelle: dpa
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Der türkische Präsident Recep Tayyip wirft Gülen, der im Exil in den USA lebt, vor, den gescheiterten Umsturzversuch befohlen zu haben.

Erdogan kommt in einer Woche nach Deutschland

Noch immer sitzen mehrere Deutsche in türkischen Gefängnissen. Sie sind aus deutscher Sicht das größte Hindernis auf dem Weg zur Normalisierung des deutsch-türkischen Verhältnisses.

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren waren dort insgesamt 35 Deutsche festgenommen worden, denen in der Regel Unterstützung von Terrororganisationen vorgeworfen wird. Dazu zählt nach Auffassung der türkischen Regierung auch die Bewegung des in den USA im Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, die für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

Gegen den Besuch des türkischen Präsidenten sind bundesweit Proteste geplant.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. September 2018 um 14:00 Uhr.

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