Das türkische Bohrschiff "Yavuz" | Bildquelle: dpa

Erdgasstreit im Mittelmeer Türkisches Bohrschiff zieht vor Zypern ab

Stand: 05.10.2020 10:45 Uhr

Das türkische Bohrschiff "Yavuz" hat seine Position vor Zypern verlassen. Monatelang suchte die Besatzung dort nach Erdgasvorkommen - ohne Genehmigung der Regierung in Nikosia. Diese nannte den Abzug "erfreulich".

Erstmals seit mehreren Monaten hat das türkische Bohrschiff "Yavuz" seine Position im Südwesten der Republik Zypern verlassen. Es ist in türkische Gewässer zurückgekehrt. Die Besatzung suchte seit Februar südwestlich der Küste Zyperns nach Erdgas- und Ölvorkommen unter dem Meeresboden. Dies tat sie ohne Genehmigung der von den Vereinten Nationen anerkannten Regierung in Nikosia. Die EU kritisierte die Suche nach den Rohstoffen wiederholt scharf.

Der zyprische Regierungssprecher Kyriakos Koushos sprach im Staatsrundfunk (RIK) über den Abzug der "Yavuz" von einer "erfreulichen Entwicklung". Dies könnte zur Entspannung führen. Dennoch handle es sich nur um einen ersten Schritt zur Deeskalation.

Ein anderes türkisches Schiff, die "Barbaros", bleibe aber weiterhin im Südosten der Insel und führe seismische Forschungen durch, berichtete Koushos.

Jahrelanger Streit um "Ausschließliche Wirtschaftszone"

Ankara und Nikosia streiten sich seit Jahren um eine "Ausschließliche Wirtschaftszone" rund um die drittgrößte Mittelmeerinsel. Das Seegebiet liegt zwischen Zypern und Ägypten. Die Türkei aber erkennt die Republik Zypern nicht an - und damit auch nicht deren "Ausschließliche Wirtschaftszone". Die Regierung in Ankara behauptet, das Seegebiet gehöre zum türkischen Festlandsockel und zudem sei die Türkei beauftragt, die Interessen der türkischen Zyprer zu vertreten.

Die Regierung in Nikosia ließ in dem Gebiet bereits erste Bohrungen durchführen - dabe wurden Erdgasfelder südlich der Insel entdeckt. Weitere Erkundungen sollen im Jahr 2021 beginnen.

Erdgasstreit im Mittelmeer

Im Rohstoffstreit legen die türkische und die griechische Regierung internationales Recht unterschiedlich aus. Nach türkischer Lesart haben Inseln wie Kreta zwar Hoheitsgewässer, können sich aber nicht auf eine Ausschließliche Wirtschaftszone berufen. 
Griechenland lehnt diese Sicht strikt ab und sieht in dieser Interpretation das Völkerrecht verletzt.

Die Regierung in Ankara versucht zudem, durch ein umstrittenes Seeabkommen mit Libyen die Grenzen des türkischen Seegebiets im östlichen Mittelmeer erheblich auszuweiten.

Geplante Sondierungsgespräche

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl Griechenland und Zypern als auch die Türkei erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. In den vergangenen Monaten war der Streit zwischen den Parteien eskaliert - diese untermauerten ihren Anspruch auf die Gebiete durch die Entsendung von Kriegsschiffen.

Inzwischen haben sich Athen und Ankara nach einer Vermittlung Berlins geeinigt, Sondierungsgespräche zur Überwindung dieses Problems aufzunehmen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Oktober 2020 um 14:15 Uhr.

Darstellung: