Mai 2018: Präsident Erdogan wird mit militärischen Ehren empfangen. | Bildquelle: AP

Auslieferungsersuchen der Türkei 136 statt 69

Stand: 01.10.2018 13:28 Uhr

Während des Staatsbesuchs von Präsident Erdogan hatte ein Auslieferungsersuchen der Türkei für 69 Menschen für Aufregung gesorgt. Nun wird bekannt: Offensichtlich verlangt das Land die Überstellung von 136 Türken.

Die Türkei hat Deutschland offenbar um die Auslieferung von 136 Menschen gebeten. Das berichtet die Zeitung "Hürriyet Daily News" unter Berufung auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser habe während des Rückflugs aus Deutschland gesagt, den deutschen Behörden sei eine entsprechende Liste übermittelt worden.

Er selbst kenne jedoch nicht alle der 136 Namen. Laut der Zeitung erinnerte Erdogan daran, dass bereits in der Vergangenheit 4000 Namen von PKK-Mitgliedern an die deutschen Behörden übermittelt worden seien.

Zeitgleich mit seinem Besuch in Berlin war am Freitag bekannt geworden, dass Erdogan eine Liste mit den Namen von 69 Gesuchten übergeben hatte, darunter mutmaßliche Beteiligte an dem Putschversuch von Juli 2016 sowie der türkische Journalist Can Dündar. Dies hatte in Deutschland für Empörung gesorgt.

Irritationen beim Staatsbankett

Am Freitagabend bei dem Staatsbankett mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sorgte Erdogan für Irritationen, als er in scharfen Worten die Auslieferung Dündars forderte. Erdogan kritisierte zudem, dass Steinmeier bei dem Bankett Fragen der Menschenrechte aufbrachte, die bereits zuvor diskutiert worden seien. Dies sei "nicht klug" gewesen. In der Türkei würde niemand einen Gast so behandeln.

Erdogan verwies auf Unterschiede bei der Bewertung von Terrorismus. "Ihr Verständnis von Terrorismus ist anders als unseres. Sie haben Schwierigkeiten, uns zu verstehen, weil sie nicht unsere Probleme haben", sagte er. Ein Problem sei, dass die deutschen Behörden nicht "sensibel genug" für die "anti-türkischen Taten" der Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen seien.

Erdogan hatte bei seinem Besuch wiederholt ein strikteres Vorgehen gegen die PKK gefordert und die Auslieferung von Anhängern der Gülen-Bewegung verlangt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Oktober 2018 um 13:00 Uhr.

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