Ein unbewohntes Haus ist bei einem Waldbrand in der radioaktiv belasteten Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl niedergebrannt, Archivbild von 5. April 2020 | dpa

Brände bei Tschernobyl Deutsche Hilfe für Löscharbeiten

Stand: 18.04.2020 13:09 Uhr

Immer noch kämpfen die Feuerwehrleute in dem Gebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl gegen die Brände an. Winde fachen die Feuer immer wieder an. Nun kommt deutsche Hilfe.

Seit zwei Wochen dauern die Löscharbeiten im radioaktiv belasteten Gebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl nun schon an. In der Region gibt es weiterhin mindestens sechs Schwelbrände, wie auf vom ukrainischen Katastrophenschutz in Kiew veröffentlichten Karten zu sehen ist.

Mehr als 700 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Brände auch mit Hilfe von Hubschraubern an. Flächenangaben machten die Behörden nicht. Zuvor schätzten sie nach Satellitenbildern die abgebrannte Fläche auf rund 11.500 Hektar. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace geht vom mehr als Vierfachen aus.

Schläuche und Tanklöschfahrzeug aus Deutschland

Nun soll Hilfe aus Deutschland kommen. "Die schnelle Hilfe umfasst 80 Dosimeter zur Messung der Radioaktivität und rund 15 Kilometer Feuerwehrschläuche", teilte die deutsche Botschaft in Kiew mit. Zudem werde ein für Wald- und Vegetationsbrände ausgestattetes Tanklöschfahrzeug angeschafft. Insgesamt habe die Hilfe einen Wert von 230.000 Euro.

Im benachbarten Gebiet Schytomyr haben an der Grenze zur Ex-Sowjetrepublik Belarus (Weißrussland) die erneut ausgebrochenen Waldbrände auf Dörfer übergegriffen und 38 Wohnhäuser zerstört. Etwa 50 Menschen mussten nach Angaben des Gebiets-Gouverneurs in Sicherheit gebracht werden.

Rauch hüllt Kiew ein

Der durch die Brände verursachte Rauch hat zudem die ukrainische Hauptstadt Kiew eingehüllt. Die Strahlungswerte in Kiew seien normal, teilten die Behörden mit. Sie forderten die Einwohner dennoch auf, zu Hause zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten. Zudem sollten sie viel Wasser trinken.

Ursache der Feuer oft Brandstiftung

Am 4. April hatten offenbar Anwohner, die Müll verbrannten, die Waldbrände ausgelöst. In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten der Sperrzone. Als Ursache gilt oft Brandstiftung.

Nach der Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Es wurde eine 2600 Quadratkilometer große Sperrzone eingerichtet. Die Gegend ist weitgehend unbewohnt, aber knapp 200 Menschen blieben - trotz Anordnungen, das Gebiet zu verlassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2020 um 14:00 Uhr.