US-Präsident Donald Trump im Oval Office. | Bildquelle: dpa

US-Wahlen im November Was, wenn Trump verliert, aber nicht geht?

Stand: 18.06.2020 11:12 Uhr

Wenn er nicht gewinne, dann gewinne er eben nicht und würde andere Dinge machen. Doch diese Aussage Trumps für den Fall einer Wahlniederlage nehmen ihm viele nicht ab.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Zuletzt hatte der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, Joe Biden, auf die Frage geantwortet. Biden sagte im US-Fernsehen, er vertraue dem Militär.

Der Armee, die zuletzt den Einsatz von Soldaten gegen Demonstranten in den USA kritisiert hatte: "Ich bin so verdammt stolz. Vier Chefs des Generalstabs sind vorgetreten und haben Trump das Fell über die Ohren gezogen. Ich bin überzeugt, das Militär würde ihn aus dem Weißen Haus führen und abfertigen." 

Joe Biden verkündet in Philadelphia seinen Plan zum Neustart der US-Wirtschaft. | Bildquelle: AFP
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Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, (hier auf einer Veranstaltung in Philadelphia) sagte in der "Daily Show" des Senders Comedy Central: "Dieser Präsident wird versuchen, die Wahl zu stehlen. Das ist ein Kerl, der sagt, dass alle Briefwahl-Stimmzettel falsch sind."

Ein Grusel für liberale Amerikaner

Es ist der gepflegte Grusel für liberale Amerikaner: Trump verliert im November und weigert sich, das Weiße Haus zu verlassen. Die Machtübergabe hänge von Trumps Bereitschaft zur Zusammenarbeit ab, prophezeit das Magazin "The Atlantic". 

An der Georgetown Universität in Washington gibt es bereits eine parteiübergreifende Arbeitsgruppe, das Transition Integrity Project. 60 Teilnehmer spielen auf Zoom verschiedene Szenarien der Machtübergabe durch. Und Jura-Professor Lawrence Douglas bestreitet mit der Frage "Wird Trump gehen?" tatsächlich ein ganzes Buch. 

Aber neu ist das alles nicht. Im Wahlkampf 2016 weigerte sich Kandidat Trump, die Frage zu beantworten, ob er eine Niederlage einräumen würde. Es kam anders: Trump gewann.

"Niemals eine friedliche Machtübergabe"

Michael Cohen | Bildquelle: AFP
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Trumps Ex-Anwalt Cohen geht davon aus, dass Trump seinen Platz nicht ohne weiteres räumen wird.

Sein langjähriger Anwalt Michael Cohen griff das Thema im Februar 2019 auf. Vor dem US-Kongress sagte er: "Meine Arbeit für Herrn Trump lässt mich fürchten, dass, sollte er die Wahl 2020 verlieren, es niemals eine friedliche Machtübergabe geben wird."

Cohen sitzt derzeit im Gefängnis wegen Meineids vor dem US-Kongress, Steuerhinterziehung und Verstoß gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. Aber für die aufgeheizte Stimmung in Washington war sein Auftritt natürlich gut. 

"Dann mache ich andere Dinge"

Trump verwandelt Spekulationen über sein künftiges Verhalten - wie die von Joe Biden - grundsätzlich zu Angriffen auf politische Gegner:

"Joe ist nicht ganz bei sich. Jeder weiß das und es ist traurig, mit anzusehen. Wenn ich nicht gewinne, dann gewinne ich nicht. Dann mache ich andere Dinge, aber das wäre sehr schade für unser Land."

Natürlich ist es grundsätzlich möglich, dass Trump im Januar 2021 auch mit der Tradition eines friedlichen Übergangs bricht. Das würde nicht verwundern, weil Politiker, Prominente, Investmentbanker und Unternehmensführer in den USA seit Jahrzehnten gesellschaftliche Übereinkommen und teils Gesetze brechen, ohne Konsequenzen oder grundlegende Veränderungen fürchten zu müssen. In dem Sinne ist Trump die Regel und nicht die Ausnahme.

Was, wenn Trump verliert, aber nicht geht?

18.06.2020 09:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Juni 2020 um 12:50 Uhr.

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