US-Präsident Trump am Rednerpult vor den Vereinten Nationen. | Bildquelle: dpa

UN-Rede Trump lobt sich - und verteufelt andere

Stand: 25.09.2018 19:47 Uhr

Der Saal ist voll besetzt - gespannt warten alle auf die UN-Rede von US-Präsident Trump. Doch dann kam das, was die Zuhörer geahnt hatten. Sie reagierten mit ungläubigem Lachen darauf.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Gedämpftes Rumoren im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal im Gebäude der Vereinten Nationen. Die Spannung vor dem Auftritt des US-Präsidenten scheint geradezu greifbar. Ein Beobachter hatte vorher geschrieben, die Vereinten Nationen fröstelten geradezu vor dieser "Trump-Woche". Erst eine kleine Verzögerung - aber dann: Auftritt Trump.

"In weniger als zwei Jahren haben wir mehr erreicht als fast jede Regierung in den USA zuvor", erklärt er. Doch, das sei wahr, sagt er in das ungläubige Gelächter hinein und fügt hinzu, dass er diese Reaktion nicht erwartet habe.

Attacke gegen den Iran

Nach guten zehn Minuten Redezeit kommt die erwartete Attacke gegen den Iran. "Die iranischen Führer säen Chaos, Tod und Zerstörung", sagt er. Sie würden weder ihre Nachbarn noch Grenzen respektieren.

Kurz zuvor, auf dem Weg hinein in den Weltsaal, klang Trump noch etwas vermittelnder. "Ich treffe mich nicht mit dem Iran, so lange er keine anderen Saiten aufzieht, aber das wird passieren", sagte er. "Sie haben keine andere Wahl." Er freue sich auf eine großartige Beziehung mit dem Iran.

Der US-Präsident geht nicht auf den neuen Vorstoß der EU und Deutschlands ein. Die wollen den Handel mit dem Iran trotz des US-Ausstiegs aus dem Atomabkommen und trotz neuer US-Sanktionen aufrechterhalten. Eine Handelsplattform soll das ermöglichen. Der deutsche Außenminister Heiko Maas hatte am Morgen in New York gesagt, der amerikanische Weg sei ein riskanter Weg.

Mit Heiko Maas unter den Zuhörern attackiert Trump ausdrücklich Deutschland - aber nicht für seinen Umgang mit dem Iran, sondern für seine Energiepolitik mit der Ostseepipeline nach Russland. "Deutschland wird vollständig abhängig von russischer Energie werden, wenn es nicht sofort einen anderen Kurs einschlägt", sagt er.

Amerika "lebt den Patriotismus"

Ausstieg aus dem globalen Abkommen zur Migration, aus dem UN-Menschenrechtsrat, Kritik am Internationalen Strafgerichtshof: Amerika lehne den Globalismus ab und lebe den Patriotismus, so Trump.

Als erster Redner des Morgens zeichnete UN-Chef Antonio Guterres ein düsteres Bild von genau einer solchen Welt. "Die Menschen in den Ländern verlieren das Vertrauen in das politische Establishment", so Guterres. Es werde polarisiert. Und der Populismus marschiere voran. "Die Zusammenarbeit der Länder ist weniger gewiss, sie wird immer schwieriger."

Doch Guterres nennt niemanden beim Namen. Er betont vielmehr: Ob Syrien, Terror, oder die Erderwärmung - mehr denn je müsse die Welt jetzt zusammenstehen. Aber das Miteinander der Staaten werde gerade jetzt attackiert, wo man es am meisten benötige, so der UN-Generalsekretär.

"Die Weltordnung ist heute zunehmend chaotisch. Machtverhältnisse sind weniger klar. Universale Werte zerbröseln. Demokratische Prinzipien sind belagert. Rechtsstaatlichkeit wird unterminiert."

Trump-Rede bei der UN: Eine neue Weltordnung und Attacken gegen den Iran
Kai Clement, ARD New York
25.09.2018 19:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. September 2018 um 17:00 Uhr.

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