Donald Trump | Bildquelle: AFP

US-Corona-Politik Trump vergleicht sich mit Churchill

Stand: 11.09.2020 11:38 Uhr

Der legendäre britische Premier Churchill während des Zweiten Weltkriegs - in dieser Tradition sieht US-Präsident Trump seine Corona-Politik. Und rechtfertigt damit, dass er Gefahren verharmloste.

US-Präsident Donald Trump hat die Kritik an seinen relativierenden Aussagen der vergangenen Monate zum Coronavirus mit einem historischen Vergleich zurückgewiesen. Er habe sich ähnlich verhalten wie die britische Regierung im Zweiten Weltkrieg. "Das ist, was ich getan habe", sagte Trump nun im Bezug auf seinen Umgang mit der Corona-Pandemie.

Trump hatte in Interviews des Investigativjournalisten Bob Woodward im März gesagt, er habe die Gefahr durch das Virus bewusst heruntergespielt. Entsprechende Passagen und Tonbandaufnahmen waren am Mittwoch von US-Medien veröffentlicht worden. Trump räumte dies ein und sagte danach zu seiner Verteidigung, er habe keine Panik verbreiten wollen.

Trump: Journalist hätte gleich an die Öffentlichkeit gehen sollen

Nun geht der Präsident zum Gegenangriff auf den Journalisten über. Falls Woodward seine Aussagen vom März als problematisch angesehen haben sollte, hätte er damit sofort an die Öffentlichkeit gehen sollen, statt monatelang zu warten, so Trump. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Freeland im US-Bundesstaat Michigan nannte er den Pulitzer-Preisträger vor jubelnden Anhängern einen "Spinner". Sich selbst und seine Corona-Politik verglich er hingegen mit Churchill:

"Als Hitler London bombardierte, ging Churchill, ein großer Anführer, oft auf ein Dach in London und sprach. (...) Und er sprach immer mit Gelassenheit. Er sagte, wir müssen Gelassenheit zeigen. (...) Wir haben es richtig gemacht, und wir haben eine Arbeit geleistet wie niemand sonst."

"Die beste Arbeit von allen Ländern"

Von Churchill ist überliefert, dass er die Bombenangriffe der Nazis auf London von einem Dach aus beobachtete, nicht aber, dass er dabei Reden hielt. Im Juni 1945 - also nach dem Kriegsende - sprach er im Wahlkampf auf einem Vordach, wie auf Fotos festgehalten wurde.

Trumps Herausforderer im Rennen ums Weiße Haus, der Demokrat Joe Biden, hatte dem Republikaner am Mittwoch vorgeworfen, das amerikanische Volk belogen zu haben und für den Tod Zehntausender US-Bürger durch das Corona-Virus verantwortlich zu sein. Trump hingegen behauptete hingegen erneut, die USA hätten die Pandemie besser im Griff als die meisten anderen Länder der Welt.

Seine Regierung habe "die beste Arbeit von allen Ländern geleistet", so Trump. In der EU gebe es hingegen gerade Ausbrüche, "wie man sie noch nie zuvor gesehen" habe. Die Zahlen in Italien, Frankreich und Spanien seinen "auf einem Niveau, das viel schlimmer ist als die Zahlen hier."

35.000 neue Fälle in den USA, 1500 in Italien

Diese Aussage stimmt so allerdings nicht. Tatsächlich zählen sowohl die USA als auch Italien, Frankreich und Spanien zu den Ländern, die weltweit besonders stark von Corona betroffen sind. Die weltweit höchsten Infektionszahlen verzeichnen allerdings klar die USA, wo es bislang rund 6,4 Millionen bestätigte Corona-Fälle gibt - bei einer Einwohnerzahl von 329 Millionen. Pro Tag werden dort aktuell im Schnitt in etwa 35.000 Neuinfektionen gemeldet.

In Italien - um ein Beispiel Trumps aus Europa herauszugreifen - gibt es bei gut 60 Millionen Einwohnern 283.000 registrierte Fälle und aktuell im Schnitt rund 1500 Neuinfektionen pro Tag.

Neuer Rekordwert in Frankreich

Europa war deutlich früher von der Pandemie betroffen als die USA. Ihren Höhepunkt hatte sie hier im Frühjahr, in den USA erst im Sommer. Nachdem die Zahl der Neuinfektionen in nahezu allen europäischen Staaten im Sommer stark gesunken waren, steigt sie nun - nach Lockerung der Schutzmaßnahmen - wieder an, liegt aber unter denen vom Frühjahr.

Eine Ausnahme unter den großen EU-Staaten bildet Frankreich. Hier wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag 9843 neue Fälle von Covid-19 verzeichnet - so viele wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie.

Anmerkung der Redaktion: In der Ursprungsversion dieses Textes stellten wir einen falschen Bezug zu dem britischen "Keep Calm and Carry On"-Poster von 1939 her. Dieses wurde während des Zweiten Weltkriegs zwar millionenfach gedruckt, aber nie veröffentlicht und erst im Jahr 2000 der Öffentlichkeit bekannt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2020 um 10:00 Uhr.

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