Tom Moore: Britischer Corona-Held | Bildquelle: VICKIE FLORES/EPA-EFE/Shuttersto

100-jähriger Corona-Held Captain Tom wird Ritter

Stand: 20.05.2020 18:01 Uhr

Ein Spendenlauf mit dem Rollator brachte ihm den Weltrekord, dem britischen Gesundheitsdienst eine Millionensumme - und vielen Menschen gab der 100-Jährige Hoffnung in der Corona-Krise: Jetzt wird Captain Tom zum Ritter ernannt.

Der 100-jährige Kriegsveteran Tom Moore, der mit seinem Spendenlauf am Rollator einen Weltrekord aufgestellt hat, wird zum Ritter ernannt. Moore habe mit seiner Aktion für das Gesundheitswesen das ganze Land inspiriert, teilte der britische Premier Boris Johnson in London mit. Der rüstige Rentner habe dem Volk ein "Leuchtfeuer im Nebel des Coronavirus" beschert, schrieb Johnson. Der Regierungschef weiß, wovon er spricht: Er musste selbst wegen der Lungenkrankheit Covid-19 auf einer Intensivstation behandelt werden.

"Ich bin absolut überwältigt"

Moore bedankte sich ritterlich: "Ich bin absolut überwältigt. Nicht einen einzigen Moment habe ich mir vorstellen können, eine solche großartige Ehrung zu bekommen." Er dankte der 94-jährigen Königin Elizabeth II., Johnson und dem britischen Volk. "Ich bin Ihnen weiter zu Diensten", schrieb er bei Twitter.

Er darf sich "Sir" nennen

Johnson hat Moore für die Ehrung vorgeschlagen und die Queen hat zugestimmt. Der Rentner aus dem englischen Dorf Marston Moretaine darf somit den Titel "Sir" tragen. Wann die Zeremonie mit dem Ritterschlag nachgeholt wird, konnte eine Sprecherin des Buckingham-Palastes der Deutschen Presse-Agentur noch nicht sagen. Er hoffe, dass sich die Königin dann nicht ungeschickt mit dem Schwert anstelle, witzelte Moore im BBC-Interview.

Der hochbetagte Rentner Moore hatte mit einer pfiffigen Aktion eine Riesenspende in der Corona-Krise zusammenbekommen und war dadurch über Großbritannien hinaus bekannt geworden.

Begonnen hatte Moore mit einem Spendenaufruf für 1000 Pfund. Er wolle dafür vor seinem 100. Geburtstag 100 Runden mit seinem Rollator in seinem Garten drehen, versprach Moore damals. Doch die Spenden hörten nicht auf zu fließen - schließlich kamen knapp 33 Millionen Pfund (etwa 37 Millionen Euro) zusammen. Moore schaffte damit sogar einen Guinness-Weltrekord für die höchste Summe, die jemals bei einem Spendenlauf zusammenkam.

37 Millionen für den Gesundheitsdienst NHS

Das ganze Geld soll dem staatlichen Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) zugute kommen. Der chronisch unterfinanzierte NHS kann die Finanzspritze gerade jetzt in der Corona-Krise gut gebrauchen. Es mangelt an Schutzausrüstungen, medizinischen Geräten und Personal.

Moore bezeichnet die Ärzte und Pfleger in den Kliniken als Helden. "Jeden Tag riskieren sie ihr Leben für uns." Er selbst gerät ins Schwärmen, wenn er daran denkt, wie aufopferungsvoll sich Ärzte und Pfleger vor nicht allzu langer Zeit um ihn gekümmert haben. Der Veteran litt unter Hüftproblemen und hatte auch noch Hautkrebs.

Song in den Charts

Die Aktion des Seniors machte so viel Eindruck, dass nicht nur die Queen und Johnson ihm zum 100. Geburtstag im vergangenen Monat dankten. Er erhielt 125.000 Geburtstagskarten aus der ganzen Welt. Zwei Flugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs überflogen mehrmals das Haus des Veteranen in der Nähe von Bedford.

Moore, der inzwischen vom Captain ehrenhalber zum Colonel befördert wurde, stürmte sogar die Charts mit einer eigenen Version der Fußball-Hymne "You'll Never Walk Alone". Den Song nahm er gemeinsam mit dem britischen Sänger Michael Ball und einem NHS-Chor auf.

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