Timoschenko bei ihrer Kandidatur | Bildquelle: REUTERS

Wahl in der Ukraine Timoschenko will an die Macht

Stand: 22.01.2019 13:42 Uhr

Sie ist international populär - doch in ihrer Heimat ist sie mindestens genauso umstritten. Nun will Julia Timoschenko Präsidentin der Ukraine werden. Vor Anhängern gab sie ihre Kandidatur bekannt.

Julia Timoschenko will zurück an die Macht. Die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin kandidiert bei der Präsidentschaftswahl Ende März. Das gab die 58-Jährige bei einem Treffen ihrer nationalistischen Vaterlandspartei bekannt.

Vor jubelnden Anhängern kündigte sie den Beginn einer "neuen Ära" an. Zugleich räumte sie ein, in der Vergangenheit "Fehler gemacht" zu haben. Nach Recherchen im Zuge der "PanamaPapers" war sie offenbar an Offshore-Konstruktionen mit dem verurteilten Ex-Premier Pawlo Lasarenko beteiligt, die ihr enorme Gewinne eingebracht haben sollen. Zudem musste sie sich in der Vergangenheit wegen Schmuggels und Urkundenfälschung verantworten.

International bekannt wurde sie durch die "Orangene Revolution" in der Ukraine im Jahr 2004 - und wegen ihrer markanten Haartracht, die sie im Stile ukrainischer Landfrauen trug, um sich als volksnah zu inszenieren. Den geflochtenen Zopf hat sie jedoch mittlerweile abgelegt. Im Wahlkampf forderte Timoschenko eine Verfassungsreform, ein großes Wirtschaftskonzept sowie einen Friedensplan für den Donbass.

Julia Timoschenko auf einer Kundgebung in Kiew
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Als kämpferische Politikerin wurde Timoschenko während der "Orangenen Revolution" bekannt. Damals trug sie noch ihren traditionellen Haarkranz.

Poroschenko hat noch nicht kandidiert

Neben Timoschenko hat sich auch der populäre ukrainische Fernsehkomiker Wladimir Selenski beworben. Der 40-Jährige liegt in Umfragen seit Monaten stabil hinter der führenden Ex-Ministerpräsidentin. Amtsinhaber Petro Poroschenko, der seine Kandidatur noch nicht offiziell verkündet hat, liegt in der Gunst der Wähler derzeit hinter Timoschenko.

Unter dem damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch hatte Timoschenko mehr als zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Im Februar 2014 kam sie frei. Janukowitsch hatte da gerade die Ukraine verlassen - die Maidan-Revolution hatte ihn das Amt gekostet.

Nun hat Timoschenko bei der Wahl am 31. März die Chance auf die Präsidentschaft. Möglich wurde die Wahl nur, weil das von Poroschenko für 30 Tage verhängte Kriegsrecht am 26. Dezember ausgelaufen war.

Schwierige Lage im Land

Die Ukrainer müssen ihre neue Führung in einer schwierigen Lage wählen. Im Osten wehrt sich das Land seit 2014 gegen prorussische Separatisten, hinter denen sich die russische Militärmacht verbirgt. Ungeachtet einer vereinbarten Waffenruhe kam es auch zuletzt zu Schusswechseln.

Trotz des Moskauer Drucks hat sich die Ex-Sowjetrepublik in den Jahren unter Poroschenko stabilisiert und eine Reihe von Reformen durchgeführt. Der Großunternehmer blieb als Präsident aber einen Kampf gegen die Korruption schuldig. Wirtschaftlich entwickelt sich die Ukraine nur langsam, sie hängt von ausländischem Geld ab. Im Herbst wird auch das Parlament in Kiew neu gewählt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Januar 2019 um 14:00 Uhr.

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