Afghanische Sicherheitskräfte in Kundus | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX

Attacke in Afghanistan Taliban greifen Kundus an

Stand: 31.08.2019 13:30 Uhr

Taliban-Kämpfer haben die nordafghanische Stadt Kundus angegriffen. Nach Behördenangaben befinden sich Polizei und Armee in der Defensive. In Kundus sind auch Bundeswehr-Soldaten stationiert. Ihr Lager wurde beschossen.

Ungeachtet der Friedensgespräche für Afghanistan in Doha haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban die Stadt Kundus attackiert. Der groß angelegte Angriff auf die nordafghanische Provinzhauptstadt startete in der Nacht. Laut einem Provinzrat nahmen die Taliban mehrere Einrichtungen und Gebiete in der Stadt ein - darunter das Provinzkrankenhaus, die Zentrale der Elektrizitätsversorgung und den dritten Polizeibezirk der Stadt.

Die Taliban-Kämpfer hätten sich in Häusern verschanzt und würden sich mit den Sicherheitskräften Gefechte liefern, sagte der Provinzrat. Hubschrauber kreisten über der Stadt. Die afghanische Polizei und Armee befinden sich in der Defensive, da sie das Leben von Zivilisten schützen wollten. Es gebe Tote und Verletzte bei Polizei und Zivilisten, allerdings sei die Zahl unklar. Der Strom in der Stadt sei abgestellt worden, Telekommunikationsverbindungen seien unterbrochen. Sollte die Situation so weitergehen, könne die Stadt abermals an die Taliban fallen, teilte der Provinzrat mit.

Ein Polizeisprecher sagte, bei den Auseinandersetzungen seien acht Talibankämpfer getötet worden. Die Kämpfe dauerten aber noch an. Seinen Angaben zufolge trafen Spezialkräfte in Kundus ein, um die Taliban zurückzudrängen. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid erklärte, die Kämpfer eroberten "ein Regierungsgebäude nach dem anderen".

Bundeswehr-Soldaten in Kundus stationiert

Im September 2015 hatten die Taliban in Kundus für etwa zwei Wochen die Kontrolle übernommen. Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten die Stadt erst mit Unterstützung massiver US-Luftangriffe zurückerobern. Seitdem haben die Taliban immer wieder Angriffe auf die strategisch wichtige Stadt nahe der Grenze zu Tadschikistan gestartet. Es ist ihnen seitdem aber nicht mehr gelungen, die Stadt vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. 

In Kundus befand sich während des NATO-Einsatzes in Nordafghanistan das Feldlager der Bundeswehr. 2013 übergaben die deutschen Truppen das Lager nach zehn Jahren an afghanische Sicherheitskräfte. Im Rahmen der Mission "Resolute Support" sind derzeit 80 deutsche Soldaten weiterhin dort, um die afghanische Armee zu beraten. Ihr Lager wurde ebenfalls beschossen. Ein noch nicht näher identifiziertes Geschoss schlug am Morgen auf dem Gelände nahe dem Stadtgebiet ein, ohne jemanden zu treffen oder zu verletzen, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos mitteilte.

Verhandlungen in Katar

Der neuerliche Angriff fällt in eine heikle Phase der Afghanistan-Verhandlungen in Katar. Die seit einem Jahr andauernden Gespräche zwischen der US-Regierung und den Taliban befinden sich offenbar in der Schlussphase. Ein Taliban-Sprecher hatte am Mittwoch gesagt, der Abschluss eines Abkommens stehe kurz bevor. 

Zuletzt hatten die USA angekündigt, die Zahl der im Land stationierten Soldaten von mehr als 13.000 auf 8600 Soldaten reduzieren zu wollen.

Afghanistan - Taliban-Angriff auf Kundus
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
31.08.2019 15:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 31. August 2019 um 10:45 Uhr.

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