Umgestürzte Strommasten liegen auf einem umgekippten Auto auf den Philippinen. | Bildquelle: REUTERS

"Kammuri" auf den Philippinen "Immerhin, wir leben noch"

Stand: 03.12.2019 14:16 Uhr

Ganze Dörfer sind zerstört, es gibt Überschwemmungen und Stromausfälle: Der Taifun "Kammuri" ist mit gewaltiger Kraft über Teile der Philippinen gezogen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Ein Handyvideo zeigt die zerstörerische Kraft von "Kammuri". Ein Mann stemmt sich mit aller Gewalt gegen den Sturm, Bretter fliegen vorbei, Palmen biegen sich bis zum Boden, braune Fluten rauschen durch den Ort, reißen Autos und Trümmer mit - alles ist grau, düster, die Sicht gleich Null.

Andernorts hat der Taifun sein Zerstörungswerk bereits vollendet - ganze Dörfer sehen aus wie Altholzdeponien, im Wortsinne plattgemacht - der Starkwind hat die leichtgebauten Hütten einfach mitgerissen. Familien suchen meterhohen im Schutt nach Resten ihres Besitzes. "Das war einmal unser Haus", sagt eine Frau und deutet auf das Trümmerfeld, "aber immerhin, wir leben noch, das ist das Wichtigste".

Hunderttausende auf der Flucht

Noch ist nicht klar, wie viele Menschenleben "Kammuri" bislang gekostet hat. Er rast seit gestern Abend über die Phillippinen. Hunderttausende  sind geflohen - allein in der Region Bicol wurden rund 340.000 Menschen in Notunterkünfte gebracht. Die Bewohner niedrig gelegener Armenviertel in Manila sind aufgerufen, ihre Hütten zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

"Wir prüfen die Schäden noch, aber es sieht schlimm aus“, sagte ein Katastrophenschutzmitarbeiter auf der Insel Luzon. Dort traf der Taifun gestern auf Land.

Auf dem Weg in den bevölkerungsreichen Süden der Philippinen schwächte sich "Kammuri" leicht ab, erreichte aber immer noch Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometer pro Stunde, vereinzelt sogar bis 205 Kilometer pro Stunde. Überall hinterließ er eine Schneise der Zerstörung, sorgte für meterhohe Überschwemmungen und Stromausfälle.

Taifun "Kammuri" zerstörte Häuser auf den Philippinen. | Bildquelle: BASILIO SEPE HANDOUT/EPA-EFE/REX
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Zerstörte Häuser durch Taifun "Kammuri" auf den Philippinen.

Flughafen in Manila vorübergehend geschlossen

Auf dem Flughafen Manila beschallen Adventslieder menschenleere Hallen, die Weihnachtsbeleuchtung blinkt in allen Farben um die Wette - Weihnachten ist ein lautes und fröhliches Fest auf den Philippinen, aber wo sich sonst Tausende vor den Abflugschaltern drängen, herrscht nur Leere.

Der Flughafen der Hauptstadt wurde geschlossen, mehr als 500 Flüge landesweit gestrichen. Passagiere wurden aufgefordert, erst gar nicht zum Flughafen zu kommen. "Unser Flug aus Montreal ist noch ganz normal gelandet - aber der Anschlussflug wurde gecancelt. Jetzt sind wir hier gestrandet. Wir versuchen es morgen noch mal", sagt eine Reisende.

Jährlich rund 20 Taifune

Die Philippinen werden jährlich von rund 20 Taifunen und Stürmen getroffen. Dabei kommen jedes Jahr Hunderte Menschen ums Leben. Der bislang schwerste Taifun "Hayan" ereignete sich 2013, 7400 Menschen starben.

Von den verheerenden Schäden haben sich viele Regionen bis heute nicht erholt. Auch weil Millionen an Spendengeldern für den Wiederaufbau in dunklen Kanälen versickert sind. Und an den Küstenstreifen - die nach "Haya"n als unbewohnbar weil besonders sturmgefährdet erklärt wurden - bauten die Armen Tausende neue Hütten auf. Weil sie nicht wissen, wo sie sonst hin sollen.

Taifun rast über die Philippinen
Holger Senzel, ARD Singapur
03.12.2019 13:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR-AKT'UELL am 03. Dezember 2019 um 13:39 Uhr.

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