Einer der Anschlagsorte in Al-Suwaida, Syrien | Bildquelle: AP

Selbstmordattentate Mehr als 70 Tote nach IS-Angriff in Syrien

Stand: 25.07.2018 14:23 Uhr

Bei mehreren Selbstmordanschlägen von IS-Anhängern in Syrien sind nach Angaben von Menschenrechtlern 70 Menschen getötet worden. Nach einem Vormarsch des IS sollen Regierungstruppen zum Gegenangriff übergegangen sein.

Mit einer Serie von Anschlägen im schwer umkämpfen Südwesten Syriens haben islamistische Aufständische offiziellen Angaben zufolge Dutzende Menschen getötet. Bei den blutigsten Attacken in den von der Regierung kontrollierten Gebieten seit Monaten kamen Aktivsten zufolge mehr als 70 Menschen ums Leben. Weitere 78 wurden demnach verletzt.

Die heftigen Kämpfe in der Region gingen weiter, so die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Demnach sprengten sich mindestens vier Selbstmordattentäter der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in die Luft. Unter den Toten seien mindestens 22 Zivilisten, 32 regierungstreue Kämpfer und 21 IS-Anhänger.

Nach einem anfänglichen IS-Vormarsch in mehreren Orte im Umland Al-Suwaidas seien die Regierungstruppen zum Gegenangriff übergegangen, berichteten die Menschenrechtsbeobachter weiter. Nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens flogen Kampfjets Angriffe gegen die Extremisten.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

IS-Verstecke bombardiert

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete zunächst von nur zwei IS-Angreifern. Nach einem Bericht des staatlichen TV-Senders Ichbarija sprengte sich am Morgen ein Selbstmordattentäter nahe einem Marktplatz in Al-Suwaida in die Luft. Ein zweiter Attentäter habe seinen Sprengsatz in einem anderen Stadtteil gezündet, meldete Sana.

Zeitgleich hätten IS-Kämpfer drei Dörfer nordöstlich von Al-Suwaida attackiert, berichteten Staatsmedien und der Opposition nahestehende Kriegsbeobachter. Die Luftwaffe habe IS-Verstecke bombardiert. Am Nachmittag war die Lage in der Stadt nach Angaben des Gouverneurs wieder ruhig.

IS nahezu überall in Syrien zurückgedrängt

Die von Russland und dem Iran unterstützten Truppen von Präsident Baschar al-Assad und eine von den USA geführte Allianz haben den IS in separaten Offensiven nahezu überall in Syrien zurückgedrängt. Die in London ansässige oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, die IS-Kämpfer hätten Al-Suwaida und die umliegenden Dörfer von ihren letzten Stellungen nordöstlich der Stadt aus angegriffen. Der Rest der Region sei unter Kontrolle der Regierung.

In den vergangenen Wochen hatte sich das Kriegsgeschehen immer mehr in Richtung der von Israel annektierten Golanhöhen verlagert. Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfflugzeugs durch das israelische Militär haben die Vereinten Nationen (UN) vor einem wachsenden Konflikt zwischen beiden Staaten gewarnt. Seit 1974 überwachen UN-Friedenstruppen (UNDOF) eine Pufferzone zwischen beiden Staaten an den Golanhöhen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Juli 2018 um 13:00 Uhr.

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