Eindrücke aus Myanmar

Entscheidung in Kanada Suu Kyi verliert Ehrenbürgertitel

Stand: 28.09.2018 09:55 Uhr

Sie galt als Friedensikone, doch seit sie Regierungschefin in Myanmar ist, bröckelt ihr Ruf: Aung San Suu Kyi. Weil sie zu lange zum Völkermord an den Rohingya schwieg, distanzierte sich Kanada nun von ihr.

Aung San Suu Kyi galt als Hoffnungsträgerin ihres Landes, für ihre Engagement für Demokratie bekam sie 1991 den Friedensnobelpreis. In Kanada wurde Myanmars heutige Regierungschefin 2007 mit der Ehrenbürgerschaft geehrt. Angesichts der Morde an den muslimischen Rohingya und ihrer Haltung zu dem Fall stimmte das kanadische Parlament nun einstimmig dafür, ihr diesen Titel zu entziehen.

Nur sechs Menschen sind Ehrenbürger in Kanada

"Unsere Regierung unterstützte diesen Antrag als Reaktion auf ihr anhaltendes Versäumnis, sich gegen den Völkermord an den Rohingya auszusprechen", sagte Adam Austen, Sprecher der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland. "Ein Verbrechen, das vom Militär begangen wird, mit dem sie die Macht teilt." Kanada werde die Rohingya weiterhin unterstützen, sagte Austen. Dies geschehe zum einen durch humanitäre Hilfe, zum anderen durch Sanktionen gegen Myanmars Generäle. 

Es sei das erste Mal, dass Kanada jemandem die Ehrenbürgerschaft aberkenne, sagte der Abgeordnete Andrew Leslie dem Sender CBC News. Nach der Abstimmung im Parlament müsse nun die Regierung prüfen, was zur Umsetzung erforderlich sei. Die kanadische Ehrenstaatsbürgerschaft wurde bisher außer Suu Kyi nur fünf weiteren Menschen zuerkannt, darunter der Dalai Lama, Nelson Mandela und Malala Yousafzai.

Übergangslager für Rohingya | Bildquelle: AFP
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Luftbild vom Transitlager Hla Phoe Khaung für rückkehrende Rohingya-Flüchtlinge in Myanmar.

Kritik an Friedensnobelpreisträgerin

Suu Kyi leitet seit 2015 de facto die Regierungsgeschäfte in Myanmar. Ihr Schweigen zum brutalen Vorgehen des Militärs gegen die muslimische Minderheit der Rohingya hat zu Forderungen geführt, ihr den Friedensnobelpreis abzuerkennen. UN-Ermittler stuften die Verbrechen als Völkermord ein.

Die Rohingya werden in dem überwiegend buddhistischen Land seit Jahrzehnten unterdrückt. Nach einem Überfall von Rohingya-Rebellen startete das Militär im August 2017 eine beispiellose Gewaltwelle. 10.000 Menschen seien ums Leben gekommen, berichteten UN-Berichterstatter, die Morde, Vergewaltigungen und Folter dokumentierten.

Von Suu Kyi hatte sich die internationale Gemeinschaft eigentlich eine Verbesserung der Menschenrechtslage in Myanmar versprochen. Sie selbst hatte bis zum Ende der Militärherrschaft 2010 viele Jahre im Gefängnis und im Hausarrest verbracht, bevor sie ins Parlament gewählt wurde. 

Kanadas Parlament will Aung San Suu Kyi Ehrenstaatsbürgerschaft aberkennen
Kai Clement, ARD New York
28.09.2018 15:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. September 2018 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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