Innenansicht des US Bank Stadions | Bildquelle: REUTERS

Hymne beim Super Bowl Stehen oder knien?

Stand: 04.02.2018 12:21 Uhr

Seit über einem Jahr protestieren amerikanische Profisportler gegen Polizeigewalt und Rassismus, indem sie bei der Nationalhymne knien. Wird der heutige Super Bowl zur großen Bühne des Protests?

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Der Hymnenprotest spaltet diese Saison das Land. Seit Colin Kaepernick, der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers, zur Nationalhymne kniete, sind immer mehr Profis dazugekommen. Am Anfang dieser Saison haben sich sogar Coaches und Vereinsbesitzer zum Teil mit ihren Sportlern untergehakt als Zeichen der Solidarität.

Denn die Spieler protestieren damit gegen Polizeigewalt gegen Schwarze und gegen Rassismus. Donald Trump teilt schon seit Monaten gegen die Profis aus, forderte gar, dass Vereine sie feuern sollten. Auch in der Super-Bowl-Woche bei seiner Rede zur Lage der Nation hat er nochmal klar Position bezogen: "Diese Geste erinnert uns daran, warum wir stolz bei der Nationalhymne stehen."

Die NFL will einen Eklat verhindern

Kritiker werfen den Spielern mangelnden Respekt und Patriotismus vor. Beim Super Bowl soll es, wenn es nach der NFL geht, bloß keinen Eklat geben. Es ist eine perfekt inszenierte Show für die ganze Familie, nichts, worüber man sich zu Hause vor dem Fernseher aufregen soll.

Wohl auch deshalb hat die NFL die Werbung der Veteranen-Organisation Amvets als zu politisch abgelehnt. In der Anzeige sollte eine amerikanische Flagge zu sehen sein und daneben die Worte "please stand", "bitte steht auf". Veteranensprecher Marion Polk versteht nicht, warum ihre Werbung nicht gezeigt werden darf, erzählt er im TV-Sender Fox News: "Die haben sich bei uns gemeldet und gesagt, dass die NFL will, dass wir die Worte ändern. Aber das wollten wir nicht. Unsere einfache Botschaft war: 'Bitte steht auf!'"

Fans sind uneins

Die Fans sind gespalten, ob sie den Protest unterstützen oder ablehnen: "Ich bin hundertprozentig dafür. Ich bin Veteranin, mich stört das nicht. Es geht um die Ungleichheit in den USA. Wenn alle knien würden, wäre das okay für mich", sagt eine Frau.

"Ich verstehe es, aber dies ist nicht der richtige Anlass dafür", sagt hingegen ein männlicher Zuschauer. "Ich bin dafür, sie schaden keinem" sagt eine andere Frau.

Profi Jenkins versteht Kritik nicht

Malcolm Jenkins spielt für die Philadelphia Eagles. Er kann die Kritik an dem Hymnenprotest nicht verstehen: "Wenn man meine Kollegen sieht, die in ihrer Freizeit in ihre Communities gehen und versuchen, die Lage da zu verändern, sicherer zu machen und Amerika besser, um dann zu hören, sie seien unpatriotisch und unamerikanisch - das ist enttäuschend."

Zahlreiche Spieler haben sich im vergangenen Jahr mehr mit der Situation von Schwarzen in den USA auseinandergesetzt. Dass sein weißer Teamkollege Chris Long ihm die Hand auf die Schulter gelegt hat, als er selbst die Faust in den Himmel reckte bei der Hymne, hat Jenkins viel bedeutet.

Malcolm Jenkins bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: REUTERS
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Malcolm Jenkins hat kein Verständnis für Kritik am Hymnenprotest

Der weiße Profi hat sich von seinem schwarzen Mitspieler die Situation in schwarzen Vierteln in Philadelphia zeigen lassen: "Wir haben mit Leuten vor Ort geredet. Die haben erzählt, wie vor allem Männer darum kämpfen, Fuß zu fassen, wenn sie wieder aus dem Gefängnis rauskommen. Er war da, hat zugehört. Auf so was müssen wir gucken."

Auch Trump-Freund und Patriots-Besitzer Robert Kraft hat in dieser Saison einiges dazugelernt, hat er zugegeben. Beispielsweise, dass Kinder, meistens sind es schwarze Jungs, schon mit sieben Jahren festgenommen werden können, wenn sie sich in der Schule daneben benehmen. Die Spieler haben eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen. Gespannt warten nun viele darauf, ob die Profis auch die Bühne des Super Bowls mit mehr als einer Milliarde Zuschauern weltweit nutzen, um ihr Statement abzugeben.

Hymnenprotest beim Super Bowl?
Martina Buttler, ARD Washington
04.02.2018 11:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Februar 2018 um 09:00 Uhr.

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