Im Sudan ist die neue Militärregierung vereidigt worden. | Bildquelle: REUTERS

Machtwechsel im Sudan Neue Militärregierung vereidigt

Stand: 12.04.2019 00:24 Uhr

Der sudanesische Verteidigungsminister Ibnuf ist als Chef des neuen Militärrats vereidigt worden. Tausende demonstrierten gegen die neue Regierung, die nach dem Sturz von Präsident Al-Baschir eingesetzt wurde.

Nach dem Sturz des sudanesischen Präsidenten Omar Al-Baschir ist der Verteidigungsminister Awad Ibnuf als Chef des neuen Militärrats vereidigt worden. Ibnuf habe den Amtseid abgelegt, Generalstabschef Kamal Abdelmaruf sei zu seinem Stellvertreter ernannt worden, berichtete das staatliche Fernsehen.

Ibnuf hatte zuvor "den Sturz des Regimes" und die Inhaftierung Al-Baschirs verkündet und mitgeteilt, für eine Übergangszeit von zwei Jahren werde ein Militärrat eingesetzt. Danach soll es Wahlen geben.

Außenminister Awad Ibn Auf gibt den Rücktritt Al-Baschirs im Fernsehen bekannt
tagesschau 20:00 Uhr, 11.04.2019, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Demonstrationen gegen "Militärputsch"

Trotz der nächtlichen Ausgangssperre versammelten sich Tausende Demonstranten vor dem Hauptquartier der Armee in Khartum und riefen Slogans wie "Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit", wie Augenzeugen berichteten. 

Die von Ibnuf verkündete einmonatige nächtliche Ausgangssperre begann um 22.00 Uhr. Sie sollte sich offenbar vor allem gegen die Demonstranten richten, die seit Samstag jede Nacht vor dem Armee-Hauptquartier in Khartum ausgeharrt hatten, um das Militär auf ihre Seite zu ziehen.

Der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Staatschef war am Donnerstag vom Militär gestürzt worden. Die Anführer der Proteste lehnten den "Militärputsch" ab und riefen zu weiteren Demonstrationen auf. Sie fordern einen zivilen Rat statt eines Militärrats.

Al-Baschir | Bildquelle: REUTERS
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Ex-Präsident Al-Baschir war rund 30 Jahre lang im Amt.

USA setzten Gespräche aus

Die USA setzten ihre Gespräche mit dem afrikanischen Land über eine Normalisierung der Beziehungen aus. "Das sudanesische Volk sollte bestimmen, wer es künftig anführt", sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Die Bevölkerung habe klargemacht, dass Zivilisten die Übergangsphase leiten sollten. "Das sollte ihnen nicht erst in zwei Jahren erlaubt werden."

Die sogenannten "Phase II"-Gespräche zwischen den USA und dem Sudan wurden ins Leben gerufen, nachdem die US-Regierung unter Barack Obama die Aufhebung eines 20-jährigen Embargos gegen das Land in die Wege geleitet hatte. Damit sollte anerkannt werden, dass der Sudan bei der Bekämpfung der IS-Miliz geholfen und Fortschritte bei der Achtung der Menschenrechte gemacht habe.

Jubel auf den Straßen Khartoums, nachdem der Rücktritt Al-Baschirs bekannt wurde. | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX
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Jubel auf den Straßen Khartoums, nachdem der Rücktritt Al-Baschirs bekannt wurde.

Seit Monaten Proteste

Zehntausende hatten seit Monaten gegen die Herrschaft Al-Baschirs protestiert. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch Preiserhöhungen für Nahrungsmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs, die wiederum mit der schweren Wirtschaftskrise zusammenhängen. Im Laufe der Zeit richteten sie sich zunehmend gegen den autoritären Staatschef selbst.

Al-Baschir wird für den gewaltsamen Tod von Millionen Menschen in Darfur, den Nuba-Bergen und anderen Konfliktregionen im Sudan sowie im Südsudan verantwortlich gemacht. Vom Internationalen Strafgerichtshof wird er wegen Völkermords mit Haftbefehl gesucht. Viele Staaten haben den Sudan unter seiner Herrschaft geächtet.

Im Februar verhängte Al-Baschir einen Ausnahmezustand, löste seine Regierung und die der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Dies entschärfte die Lage aber nicht.

Neuer Herrscher vereidigt - Proteste gehen weiter
Björn Blaschke, ARD Kairo
12.04.2019 07:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. April 2019 um 04:57 Uhr.

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