Ein Polizist läuft an der zerstörten Zionkirche in Batticaloa vorbei. | AFP

Sri Lanka Anschläge als "Vergeltung" für Christchurch?

Stand: 23.04.2019 11:27 Uhr

Die Terroranschläge in Sri Lanka könnten eine Reaktion auf den Angriff auf Muslime im März in Christchurch sein. Laut Vize-Verteidigungsminister Wijewardene deuten erste Ermittlungsergebnisse darauf hin.

Erste Ermittlungsergebnisse zu den Anschlägen in Sri Lanka deuten laut Regierung auf eine "Vergeltung" für den Angriff auf zwei Moscheen in Neuseeland hin. "Die vorläufigen Untersuchungen haben enthüllt, dass das, was in Sri Lanka passiert ist, Vergeltung für den Angriff auf Muslime in Christchurch war", sagte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament. Ein australischer Rechtsextremist hatte in Christchurch Mitte März 50 Menschen getötet. 

Die Selbstmordanschläge auf Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka gehen nach Einschätzung der Regierung auf das Konto einer einheimischen radikal-islamischen Gruppe. Die Regierung ist jedoch überzeugt, dass die verdächtigte Gruppe National Thowheeth Jamaath die Attacken vom Ostersonntag nur mit Unterstützung eines internationalen Netzwerks verübt haben kann, sagte ein Sprecher.

Mehr als 300 Tote

Präsident Maithripala Sirisena ordnete Staatstrauer an und erteilte dem Militär per Notstandsverordnung weitreichende Befugnisse. Nach dem Gesetz können diese etwa für Hausdurchsuchungen ohne Erlaubnis eines Gerichts und für Verhaftungen ohne Haftbefehl gelten. Solche Bestimmungen waren während des Bürgerkriegs in Sri Lanka von 1983 bis 2009 fast dauerhaft in Kraft - und auch darüber hinaus noch bis 2011.

Drei Mitglieder einer Familie, die bei der Anschlagsserie am Ostersonntag getötet wurden, werden begraben. | AP

Drei Mitglieder einer Familie, die bei der Anschlagsserie am Ostersonntag getötet wurden, werden begraben. Bild: AP

Laut Wijewarden wurden bisher 42 Menschen in Gewahrsam genommen. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger. Vieles bleibt über die Täter und ihre Hintergründe unklar. Einer der Attentäter war nach Angaben eines Kabinettsministers vor wenigen Monaten wegen der Beschädigung von Buddha-Statuen festgenommen worden. Bei neun Festgenommenen handelte es sich um Mitarbeiter einer Fabrik, die einem der anderen Täter gehörte. Mehr als 20 Häuser seien inzwischen durchsucht worden, sagte die Polizei.

Die Zahl der Toten stieg inzwischen auf 311 - darunter 37 Ausländer. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. Im Ort Negombo, wo eine Kirche angegriffen worden war, gab es eine Massenbeerdigung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. April 2019 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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frosthorn 23.04.2019 • 13:32 Uhr

@schutzbefohlener, 12:43

Ihre Sicht auf den Koran und dessen Auslegung ist von ausgesprochener Naivität geprägt. Was Sie auch völlig ausblenden, ist dass die christliche Kirche eine Phase der Aufklärung hinter sich hat und entgegen dem Koran eine brachiale Auslegung der Bibel gemeinhin weder stattfindet noch mehrheitlich anerkannt wird. Ihre Sicht auf die Weltreligionen mag Ihnen als nicht naiv erscheinen (wir halten uns ja alle für nicht naiv), sie ist aber von massiver Unkenntnis geprägt. Erstens gibt es in der Tat keine Weltreligion heutzutage, in der das Auslöschen Ungläubiger gefordert wird. Zweitens hat nicht etwa die christliche Kirche, sondern die "zivile" Weltgemeinschaft eine Phase der Aufklärung hinter sich. Die wird aber scheinbar derzeit wieder rückgängig gemacht., indem der Glaube des jeweiligen Gegners als blutrünstig und dieser selbst als gefährlich gemalt wird. Das geht gar nicht auf die Kappe der jeweils Gläubigen, sondern egozentrischer, machthungriger Demagogen.