Menschen demonstrieren in Pamplona gegen das Urteil im Prozess gegen eine Vergewaltigung | AP

Vergewaltigungsprozess Spanien empört über mildes Urteil

Stand: 27.04.2018 16:51 Uhr

Eine Frau wird im spanischen Pamplona von fünf Männern sexuell missbraucht. Weil die Frau dabei nicht geschlagen und bedroht wird, fällt das Urteil mild aus. Nun gibt es deshalb landesweit Proteste.

Das milde Urteil in einem Aufsehen erregenden Prozess um eine Gruppenvergewaltigung hat in Spanien eine Welle der Empörung ausgelöst.

Fünf angeklagte Männer waren im Landgericht von Navarra in Pamplona nur wegen wiederholten sexuellen Missbrauchs unter der Ausnutzung der schutzlosen Lage des 18-jährigen Opfers zu jeweils neun Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte die 27- und 28-jährigen Angeklagten des gewaltsamen sexuellen Übergriffs beschuldigt und Haftstrafen von jeweils knapp 23 Jahren gefordert.

Die Richter sahen den Tatbestand der Vergewaltigung nicht gegeben, weil es, wie es im Urteil heißt, "weder Schläge noch Drohungen" gegeben habe. Einer der drei Richter sprach sich sogar für Freispruch aus, wurde aber überstimmt. Die Anwälte beider Seiten kündigten Berufung an.

Tausende Menschen protestierten

Nach Bekanntgabe des Urteils gingen am Donnerstagabend in vielen Städten des Landes Tausende auf die Straße, um ihrem Ärger Luft zu machen. Frauen skandierten: "Wenn man uns nicht tötet, glaubt man uns nicht!"

Nach den Protesten kritisierten nun erstmals auch Mitglieder der Zentralregierung die Entscheidung des Gerichts. Es sei an der Zeit zu überlegen, ob man die Definition von Vergewaltigung im Strafgesetzbuch nicht ändern müsse, sagte die Verteidigungsministerin und Generalsekretärin der Volkspartei von Ministerpräsident Mariano Rajoy, Maria Dolores de Cospedal, im Interview des Radiosenders Cope.

Menschen demonstrieren in Valencia. | KAI FOERSTERLING/EPA-EFE/REX/Shu

Menschen demonstrieren in Valencia gegen das milde Urteil. Bild: KAI FOERSTERLING/EPA-EFE/REX/Shu

Aufnahmen über WhatsApp geteilt

Im Juli 2016 hatten die fünf Männer die junge Frau, die sie kurz zuvor bei den Feiern am Rande der Stiertreiben von Pamplona kennengelernt hatten, nach Mitternacht in einen dunklen Hausflur gedrängt.

Sie filmten anschließend, wie sie sich an der jungen Frau vergingen und teilten über WhatsApp die Aufnahmen auch mit anderen. Die Gruppe nannte sich "La Manada" (das Rudel). Die Männer beteuerten, die Frau habe entgegen ihrer Aussage freiwillig mitgemacht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2018 um 14:00 Uhr.