"Wer auch immer regiert, das Klima wird verteidigt", steht an dem Banner von Demonstranten während einer Kundgebung in Madrid. (Archivbild: 25.09.2021) | picture alliance/dpa/EUROPA PRES

"Fridays for Future" in Spanien Wenig Zulauf trotz großer Probleme

Stand: 23.09.2022 14:06 Uhr

Weltweit wird heute wieder für den Klimaschutz demonstriert. Spanien ist in Europa mit am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen. Trotzdem kommt die Umweltbewegung hier nach der Pandemie nicht wieder richtig in Gang.

Von Milena Pieper, ARD-Studio Madrid

"Der Klimawandel tötet", das hat Ministerpräsident Pedro Sanchez im Sommer bei einem Besuch eines besonders schwer von den Waldbränden betroffenen Gebietes in der Region Extremadura gesagt. Hitzewellen, Dürren, der steigende Meeresspiegel: Spanien kämpft mit den Folgen des Klimawandels. Die Umweltbewegung bleibt trotzdem im Vergleich zu Deutschland klein und leise.

Fridays for Future mit 20 Mitgliedern

Zum Kennenlern-Treffen von "Fridays for Future" im Retiro-Park in Madrid sind eine Handvoll Interessierte gekommen. Die Gruppe ist die größte in Spanien, mit gerade mal um die 20 Mitglieder.

Sofía glaubt, dass sie es schwerer haben, die Leute zu mobilisieren als ihre Mitstreiterinnen in Deutschland: "Der Umweltschutz ist in der deutschen Gesellschaft viel tiefer verwurzelt als in Spanien. Deshalb braucht es hier viel mehr bis die Menschen bei Bewegungen wie "Fridays for Future" mitmachen und zu unseren Demonstrationen kommen."

Ein Grund dafür sei die Situation der Jugendlichen selbst, sagt Soziologe Esteban Sánchez Moreno von der Universidad Complutense in Madrid: "Junge Menschen in Spanien haben Probleme, einen Job zu finden. Sie haben große Probleme, eine Wohnung zu finden und das führt zu einer Reihe von Problemen, die für sie viel drängender sind."

Nach der Pandemie haben es Gruppen wie Fridays for Future besonders schwer. Die Klimabewegung, die vor Corona gewachsen war, ist eingeschlafen.

Einsatz in lokalen Gruppen

Diejenigen, die sich für das Klima engagieren, machen das oft eher in lokalen Gruppen, als sich spanienweit zu vernetzen. Mario ist vor Kurzem von Teneriffa nach Madrid gezogen und auch beim Treffen von "Fridays for Future" dabei. In seiner Heimat ging es beim Umweltschutz weniger um Aktionen wie den globalen Klimastreik: "Wir kümmern uns vor allem um lokale Probleme auf der Insel. Im Moment haben wir auf Teneriffa eine ganze Reihe von Problemen im Süden der Insel, wo Hotels und eine Sportanlage in einem geschützten Gebiet gebaut werden sollen."

Es sind viele Ansätze im Kleinen, die "Fridays for Future" zu einer großen Bewegung in ganz Spanien zusammenbringen will. "Wir sind hier und versuchen sie wieder zum Leben zu erwecken", sagt Sofía über die Bewegung. Ob das klappt, wird auch der Klimastreik zeigen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 23. September 2022 um 13:55 Uhr.