Feiernde Menschen in Barcelona | REUTERS

Spanien lockert Auflagen Die Jungen feiern - Experten warnen

Stand: 10.05.2021 11:21 Uhr

Mehr als sechs Monate durften die Spanier nachts nur aus triftigem Grund auf die Straße - jetzt ist die Ausgangssperre ausgelaufen. Für die Jungen ein Grund zum Feiern - oft ohne Abstand und Maske.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Sie feiern, als ob Spanien gerade Weltmeister geworden wäre: Zehntausende, vor allem junge Menschen. Madrid, Barcelona, Saragossa, Sevilla, Salamanca - ähnliche Fernsehbilder aus vielen spanischen Städten. Manche feierten das Ende des Alarmzustands und damit das Ende der Ausgangssperren im größten Teil des Landes als Neuanfang - mit einem Countdown vor Mitternacht und mit Smarties statt der traditionellen zwölf Silvestertrauben.

Reinhard Spiegelhauer ARD-Studio Madrid

Natürlich muss man weiter vorsichtig sein, sagen viele - aber die Nacht ist warm und feuchtfröhlich. Abstandsregeln und Maskenpflicht sind bald vergessen. "Freiheit" skandieren manche - "bedauerliche Bilder" nennt das Madrids Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida.

Freiheit bestehe nicht aus öffentlichen Saufgelagen, sagt der Bürgermeister - und obendrein sind die sogenannten Botellones schon seit vielen Jahren generell verboten und damit auch ohne Ausgangssperre illegal. Und in vielen Regionen gelten weiter Obergrenzen, wie viele Menschen sich Zuhause oder in der Öffentlichkeit treffen dürfen - meist sind es sechs. In Palma de Mallorca und andernorts löste die Polizei deshalb Feiern auf.

Barcelona: Junge Menschen treffen sich bei Dunkelheit vor einer Straßenlaterne auf der Straße | REUTERS

Mediziner kritisierten die Feiern: Die Pandemie sei noch nicht vorbei. Bild: REUTERS

Ausgangssperren fast überall aufgehoben

Mit dem Ende des Alarmzustands sind in erster Linie Bewegungseinschränkungen weggefallen. Bisher durften die Menschen die autonome Region, in der sie leben, nur aus triftigen Gründen verlassen - jetzt sind Familienbesuche oder andere Reisen in andere Regionen wieder erlaubt.

Ausgangssperren gibt es nur noch auf den Balearen, der Autonomen Gemeinschaft Valencia und in Navarra - über die Zulässigkeit entscheidet jetzt jeweils das höchste Gericht der Region. Während des Alarmzustands konnte die Zentralregierung über Mobilitätseinschränkungen entscheiden.

Virologen warnen

Mediziner reagierten erschrocken auf die Bilder von hemmungslos feiernden Menschen. Da werde das Ende des Alarmzustands mit dem Ende der Pandemie verwechselt, meint Virologe Jose Antonio Lopez.

Die Situation in Spanien hat sich zuletzt aber stabilisiert, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt landesweit inzwischen unter 100. In einigen Regionen ist sie jedoch noch deutlich höher, besonders im Norden und in Madrid.

Für Deutsche, die in Spanien Urlaub machen wollen, ändert sich durch das Ende des Alarmzustands nicht allzu viel: Zwar dürfen in vielen Regionen Restaurants jetzt länger öffnen als bisher, viele andere Einschränkungen aber gelten weiter, beispielsweise die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Viele Hotels haben weiterhin geschlossen, für die Einreise nach Spanien ist ein negativer PCR-Test Pflicht, weil Deutschland weiter als Risikogebiet gilt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Mai 2021 um 11:18 Uhr.